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Reinhardt schrieb:

 

Ich habe nahe zu vier Jahrzehnte als Schauspieler, Lehrer und Spielleiter unaufhörlich für diese Institut (das Deutsche Theater in Berlin) gearbeitet.

Es steht mir nicht an, über den Wert dieser Arbeit zu urteilen. Unbestritten bleibt aber die Tatsache, das das Deutsche Theater in dieser Zeit die führende Bühne Deutschlands gewesen ist und von ihr alle entscheidenden Bewegungen ausgegangen sind. So hat es zu mindestens für seine Zeit den Begriff Deutsches Theater über allen Tagesstreit hinaus erfüllt.

Das Recht, meine Arbeit zu beurteilen, erkenne ich in erster Reihe meinen Schauspielern zu, die ihr am nächsten verbunden waren. Und da ich mich dem deutschen Wesen, dem ich mit augenblicklich Verschmähter, trotzdem unerschütterlicher Liebe anhänge, Wahrheit, Bekennermut und Treue eingeboren Weiß, glaube ich, dass dieser immer wieder dankbar beschworene Zusammenhang auch heute nicht verleugnet werden kann.

Ich habe alle Ursache anzunehmen, das ich mit meiner Tätigkeit dem Theater auch in schwerer Zeit hätte entscheidend helfen können. Das neue Deutschland wünscht jedoch Angehörige der jüdischen Rasse, zu der ich mich uneingeschränkt bekenne, in keiner einflussreichen Stellung. Ich könnte aber auch, selbst wenn diese geduldet würde, in solcher Duldung niemals die Atmosphäre finden, die meiner Arbeit notwendig ist.

Deshalb bleibt mir, als bisherigem Eigentümer des Deutschen Theaters, der Kammerspiele und als Anteilhaber des Großen Schauspielhauses, nur die eine Möglichkeit, die Obernahme meines Lebenswerkes Deutschland anzufragen. Ich verliere mit diesem Besitz nicht nur die Frucht einer siebenunddreißigjährigen Tätigkeit, ich verliere vielmehr den Boden, den ich ein Leben lang bebaut habe und in dem ich selbst gewachsen bin. Ich verliere meine Heimat. Die Genugtuung, mit der besten Kraft meines Lebens zum Nationalvermögen beigetragen zu haben, mildert die Bitterkeit meines Abschieds . . .«

 

Die Wegelagerer, an die so hohe Worte gerichtet waren, konnten sie nicht begreifen. Sie fanden keine Antwort auf dieses Deutsch, und hätten sie sich eine abgerungen - in ihrem Jargon hätte sie wie Kutscherlärm geklungen.

 

entnommen aus: 

 

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Stand: 27. August 2001