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Ein bedeutender deutscher Filmschauspieler

Mathias Wieman würde 75 (23.6.)

"Bundesehrwürden" nannte man ihm nach dem zweiten Weltkrieg, wohl wegen des getragenen feierlichen Deklamierens von Dichterworten. Es gibt Fatales genug in Mathias Wiemans Schauspielerkarriere: schriftstellerische und schauspielerische Mitarbeit an Karl Ritters Militärfilmen PATRIOTEN (1937), UNTERNEHMEN MICHAEL (1937), KADETTEN (1941), den Auftritt in Liebeneiners Euthanasiefilm ICH KLAGE AN (1941), die Beteiligung an Durchhalteveranstaltungen kurz vor der Kapitulation. Aber man würde Wieman Unrecht tun, wollte man ihn nur auf die Rolle des staatsbejahenden Rhetorikers festlegen. Wieman debütierte in den zwanziger Jahren als negativer Typ. Er spielte unverstandene und böse Jugendliche in Stücken wie "Sechs Personen suchen einen Autor" und "Vor Sonnenuntergang". Auch als Woyzeck konnte man ihn sehen. Brecht schätzte Wieman wegen seiner schmucklosen Sachlichkeit. 

Im Alter wagte Wieman sich an komische Rollen, den GENERAL QUICHOTTE von Anouilh, den 99-jährigen Erzbischof in Dürrenmatts WIEDERTÄUFERN. 

Im Film hat er auch nicht immer den alles wissenden alles verzeihenden deus ex machina gegeben- In Pabsts HERRIN VON ATLANTIS (1932) ist er ein offenbar wahnsinniger junger Mann, dem die Zigarette an der Lippe hängt. Als Gegenspieler von Werner Kraus in MENSCH OHNE NAMEN (1932) muss er eiskalt und böse sein. In Roberto Rossellinis Porträt der Bundesrepublik von 1955, ANGST, ist er der gefühlsarme, manchmal schon brutale Film-Gatte von Ingrid Bergman. Wieman, der körperlich wenig machte, deutlich Understatement übte, war ein vorzüglicher Filmschauspieler. Sein Gesicht, das nicht das eines Stars war, eignete sich für Alltagsgeschichten. 

Für seine wichtigsten Rollen halte ich den Dr. Dumartin in DIE EWIGE MASKE (1935), den Soldaten August Kernthaler in VORSTADTVARIETE (1 934), den Hauke Haien in DER SCHIMMELREITER. (1934) von Curt Oertel und Hans Deppe. Wieman spielte in den drei Filmen grüblerisch einsame junge Menschen, denen ihre Umwelt feindlich und verständnislos gegenübertritt. Seine Stimme, diese berühmte Stimme, hatte in diesen Filmen nichts Deklamatorisches mehr. Manchmal nur halbe Sätze, nur einzelne Worte von sich gebend, schien sie aus Untiefen zu kommen, war Seufzen, wenn nicht geheimes Weinen.

 Ulrich Kurowski

entnommen aus: FILM - Korrespondenz Nr. 6 / 31. Mai 1977

 

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Stand: 27. August 2001