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MATHIAS WIEMAN

 

Mathias Wieman galt früher als Schauspieler gehemmter Gefühlsrollen. Er schien der ewige Arnold Kramer zu sein, wechselnd zwischen weicher Sehnsucht und verhärtetem Gefühl, böse aus zurückgehaltener Empfindung.

Die Entwicklung aber hat gezeigt, dass Mathias Wieman ein vielseitigerer Schauspieler ist, der gerade auch einen leichten Ton für spielerische Rollen hat. Man denke an die Schwipsszene in Savoirs "Ritter Blaubarts achte Frau". Mathias Wieman, der Gefühlsdarsteller, ist in Wirklichkeit ein Charakteristiker und Humorist. Er gab in Gerhart Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang" den halb korrekten, halb verstockten Professor. Er spielte in dem Tonfilm "Mensch ohne Namen" den verhärteten Freund, der die Frau des Heimkehrers geheiratet hat und als seinen Besitz verteidigt.

Mathias Wiemans Gebiet liegt zwischen dem "George Dandin" und dem Wehrhahn in Hauptmanns "Biberpelz". Auch er vertritt einen Typ des norddeutschen Menschen auf der Bühne. In seinen Rollen und in seiner Arbeitsmethode. Mathias Wieman hat Werkbeziehung zur Kunst. Er ist ein Schauspieler, der wie ein mittelalterlicher Handwerksmeister wirkt (obwohl gerade sein Können, hier also seine Sprechtechnik, zweitrangig ist). Wieman ist ein Werkmeister seiner Kunst vor dem Zeitalter der Technik (Technik aber gehört heute zur Schauspielkunst, besonders, wenn sie modernen Rollen gerecht werden will).

Wieman - man glaubte: ein sehnsüchtiger Romantiker des Gefühls. Wieman in Wahrheit: ein unermüdlicher Bosseler seiner Rollen, der sich die Technik noch hinzu erobern muss.

Herbert Ihering - 13. Juli 1932 

entnommen aus: Von Reinhardt bis Brecht - 1930-1932 - Band 3 - Herbert Ihering - Berlin: Aufbau, 1961

 

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Stand: 27. August 2001