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Ich gestehe es offen: Wir Leute der Zwischengeneration machen uns wenig aus diesen rückwärts in "die gute alte Zeit" projizierten Wunschbildern. Ich kann mir noch weniger vorstellen, dass die Jugend, welche nach uns kommt, mit diesen Geschichten wenig mehr anfangen kann, als ein BDM-Mädchen ein Korsett mit Fischbeinstangen zu würdigen weiß, das unsere Mütter noch für unerlässlich und erstrebenswert hielten. 

Wir wissen auch die in diesen Filmen oft angewandte hohe Kunst wenig zu würdigen, solange die wesentliche Aufgabe, das Bild des neuen Menschen zu zeigen ungelöst bleibt.

Ich glaube, das kommt daher: In den Jahren als wir heranwuchsen, haben sich Eindrücke und Vorbilder in unser Herz gesenkt - nicht von der Kunst her -, es waren nicht der große Kean (1) ,wahnsinnig geworden vor Genie, sondern vom Kriege her. Es Waren Namen wie Boelkcke (2), Richthofen (3) und Hermann Berthold und die namenlosen Regimenter von Langemark(4). Die Haltung dieser toten Soldaten begleitet uns als Vorbild von Jugend an immer noch, immer noch, auch durch das Tageswerk unserer unheldischen Arbeit.

(1)

Charles Kean, 1811-68, englischer Schauspieler, berühmt durch seine Shakespeare - Inszenierungen in Londoner Prince´s Theatre.

(2)

Hauptmann Oswald Boelke, 1891-1916, deutscher Kampfflieger und Begründer der Jagdfliegerei, vierzig Luftsiege, Pour le mèrite.

(3)

Manfred Freiherr von Richthofen, 1892-1918, der Rote Kampfflieger des Ersten Weltkriegs und Führer des Kampfgeschwaders seines Namens, das später Hermann Göring übernahm.

(4)

Langemark, Gemeinde in Westflandern, Belgien; im Ersten Weltkrieg von den deutschen Truppen im November 1914 erstürmt; am 31.7.1917 von den Engländern zurückerobert; Werner Beumelburg schrieb über die Schlacht "Ypern 1914", erschienen 1924

Aus: Mathias Wieman: "Der Mensch im Film" in: Wunderwelt Film, Herausgeber Heinz w. Siska, Leipzig - ohne Jahresangabe - Seiten 73

entnommen aus "Theater und Film im Dritten Reich" - Joseph Wulf - Ullstein Verlag -1985

zu finden unter der Rubrik "Heroisch" Seite 369-370

zum kompletten Text von Mathias Wieman: "Der Mensch im Film"

 

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Stand: 28. April 2000