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noch in Arbeit

Bereits  1930 hatte die NSDAP eine eigene Filmabteilung unter Arnold Raether. 

Drei Jahre später verschwanden aus den Bühnen und Filmtheatern alle Künstler, die nicht arisch waren, oder deren politische Einstellung dem System nicht passte.

Das "Lichtspielgesetz" vom 16.02.1934 war erdacht, rechtzeitig zu verhindern das Stoffe behandelt werden, die dem Geist der Zeit zuwiderlaufen. Dem Geist der Zeit lief z.B. jedes fünfte Filmvorhaben zuwider und verschwand. 

Eine Zensur durch zentrale Kreditvergabe und ein nationaler Filmpreis ab 1.5.1934 förderten nur noch was schlecht und recht war. (29)

 

Film- und Theaterschaffende, 

die um ihre Existenz beraubt wurden

- zum Gedenken dieser Künstler -

 

Es gibt keine vollständige Liste der Opfer des Nationalsozialismus aus dem Medienbereich. Und gäbe es sie, läse sie der Nachfahre, der im Dritten Reich nicht selber gelebt hat, sondern es nur vom Hörensagen, geschichtlich kennt, mit einer gewissen Hilflosigkeit.

Die Summe der Namen sagt nicht viel, kann aber dennoch als Mahnung dienen. Darum nachfolgend, der immer unvollständig bleibende Versuch, einige Opfer aufzuzeigen. 

Eins ist gewiss, ohne diese Opfer, wären viele Schauspieler im 3. Reich, und auch danach, nicht das geworden, was sie geworden sind. Sie wuchsen in Lücken hinein, die die Opfer hinterließen, so das auch weniger begabte eine Chance bekamen.

Der exemplarische Einzelfall kann dafür vielleicht um so mehr Betroffenheit und Interesse wecken.

Etwa das Schicksal des "arischen" Schauspielers Joachim Gottschalk, verheiratet mit einer Jüdin und so schnell zum Filmstar geworden, das sein Privatleben behördlicherseits nicht rechtzeitig "gesäubert" werden konnte. "Normalerweise" ließ man einen solchen Mann im 3. Reich gar nicht erst Karriere machen.

Bei Joachim Gottschalk (1901-1941) hatte man nicht aufgepasst. Außerdem war ja auch nicht so berühmt wie beispielsweise Hans Moser oder Theo Lingen oder Heinz Rühmann oder Georg Alexander oder Albrecht Schönhals oder Leo Slezak oder Paul Henkels, die alle mit Jüdinnen verheiratet waren und nur mit einer Sondergenehmigung der "Pro-Mi" Theater spielen oder filmen durften. Die aber auch immer wieder, wie Henny Porten wegen ihres jüdischen Mannes, unter Druck gesetzt oder erpresst werden konnten.

Wolfgang Liebeneiner hatte in seinem Film "Du und ich" Joachim Gottschalk als Partner von Brigitte Horney eingesetzt, und er wurde für seine Entdeckung gefeiert. Das war 1938 und Gottschalk 34 Jahre alt. Dann folgten, sehr schnell danach, als nächste Filme "Aufruhr in Damaskus", "Eine Frau wie Du", "Das Mädchen von Fanö" - immer auch mit Brigitte Horney und mit den besten Regisseuren. Sowie mit einer enorm wachsenden Zustimmung des Publikums.

Goebbels aber hatte keine Lust schon wieder eine Sondergenehmigung herauszurücken, darum ließ er Gottschalk durch seinen Staatskommissar Hans Hinkel auffordern sich endlich scheiden zu lassen. 

Wohlmeinende Freunde arrangierten in der "Kameradschaft der deutschen Künstler" eine Begegnung zwischen Goebbels und Frau Gottschalk in der naiven Annahme, der Minister werde, wenn er sie erst persönlich kenne, von ihrem Charme entzückt sein. Natürlich erreichten sie damit das Gegenteil. Der Minister fühlte sich provoziert und verhängte ein Filmverbot über Gottschalk. Freunde rieten ihm dringend zur Flucht. Es war zwar schon Krieg, aber die Grenze zur Schweiz nicht unüberwindbar, und am Züricher Theater spielten schon viele andere Emigranten.

Gottschalk lehnte ab. Tief gekränkt, verzagt, deprimiert, war er überzeugt, das Flucht zwecklos sei, denn Hitler werde sowieso ganz Europa erobern.

 

Am 5. November 1941 ging er mit seiner Frau Meta Wolff und seinem 8 jährigen Söhnchen in den Tod.

 

Sieben Spielfilme hat er hinterlassen. Einige davon unvergessen. Nur sehr mutige Kollegen und Kolleginnen nahmen an der Beisetzung teil, unter ihnen Brigitte  Horney, Gustav Knuth und Wolfgang Liebeneiner.

Fünf Jahre später erinnert Kurt Maetzig mit seinem DEFA-Film "Ehe im Schatten" an Gottschalks Schicksal. Es wurde Maetzigs bester Film. (42 - Seite 227+232)

Die Opfer

111

Gitta Alpar

Schauspieler

 

 

Elisabeth Berger

Schauspielerin

 

 

Max Hansen

Schauspieler

 

 

Martin Hellberg

Schauspieler

Kommunist - 1933 entlassen

 

Oscar Homolka

Schauspieler

 

 

Fritz Kortner

Schauspieler

 

 

Lucie Mannheim

Schauspielerin

 

xxx

Conrad Veidt 

Schauspieler

(18..-1943)

verabschiedet sich 1934 mit der Darstellung des Tyrannen Gessler (Willhelm Tell - Regie Heinz Paul) von den nationalsozialistischen Machthabern und emigriert nach England

von dort 1940 nach Amerika aus Angst vor einer mögliche Invasion der Nazis stirbt am 4.4.1943 auf dem Golfplatz der MGM

 

Helena Weigel

Schauspielerin

 

 

 

 

 

Rosa Valetti

Schauspielerin

umgebracht von den Nazis

 

Kurt Gerron

Schauspieler

umgebracht von den Nazis

 

Otto Wallburg

Schauspieler

umgebracht von den Nazis

 

Carola Neher

Schauspielerin

umgebracht von den Sowjets

 

Rudolf Forster

Schauspieler

emigriert und ins Dritte Reich zurückgekehrt

 

Alfred Braun

Schauspieler

emigriert und ins Dritte Reich zurückgekehrt

 

 

 

 

Hermann  Thimig

Schauspieler ??

prüfen was mit ihnen war

 

Marlene Dietrich

Schauspielerin

prüfen was mit ihnen war

 

Henny Porten

Schauspielerin

prüfen was mit ihnen war

 

Asta Nielsen

Schauspielerin

prüfen was mit ihnen war

 

Max Reinhardt

Regisseur

bis 1938 in Österreich

danach Emigration in die USA 

und dort am 31.10.1943 verstorben

 

Ludwig Berger

Regisseur

 

 

Kurt Bernhardt

Regisseur

 

 

Erik Carrell

Regisseur

 

 

Paul Czinner

Regisseur

 

 

Wilhelm Dieterle

Regisseur

 

 

Slatan Dudow

Regisseur

 

 

Richard Oswald

Regisseur

 

 

G. W. Pabst

Regisseur

 

 

Erwin Piscator

Regisseur

(1893-1966)

Sozialist und Pazifist

1931 in die Sowjetunion

Über Paris (1936-39) in die USA

1951 Rückkehr nach Europa - 1962 Direktor der Freien Volksbühne in Berlin

 

Reinhold Schünzel

Regisseur

1938 in die USA

 

Detlef Sierck

Regisseur

1938 in die USA - dort als Douglas Sirk

 

 

 

 

Seymour Nebenzahl

Produzent

nach Paris

 

Erich Pommer

Produzent

 

 

 

 

 

 

 

 

Brecht

Schriftsteller

27.2.33 Brand des Reichstages - veranlasste viele Dichter noch in dieser Nacht Deutschland zu verlassen

 

Arnolt Bronnen

Schriftsteller

Dramaturg im Reichsrundfunk und Programmleiter im Versuchs - Fernsehsender Paul Nipkov (1936-1940) - 

wird kurz vor Kriegsende wegen Hochverrats verhaftet

Nach 1945 Eintritt in die kommunistische Partei

1956 Übersiedlung nach Ost-Berlin

stirbt am 12. Oktober 1959

 

Bruckner

Schriftsteller

27.2.33 Brand des Reichstages - veranlasste viele Dichter noch in dieser Nacht Deutschland zu verlassen

 

Döblin

Schriftsteller

27.2.33 Brand des Reichstages - veranlasste viele Dichter noch in dieser Nacht Deutschland zu verlassen

 

Marieluise Fleißner

Schriftsteller

Rückzug ins  private - verstummt bis 1946

 

Lion Feuchtwanger

Schriftsteller

 

 

Leonhard Frank

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

 

Reinhard Goering

Schriftsteller

War in den letzten Jahren seines Lebens Kassenarzt im Berliner Arbeiterviertel am Wedding

Am 14. Oktober vergiftete er sich und öffnete sich die Pulsadern. Man fand ihn auf der freien Flur bei Jena

 

Walter Hasenclever

Schriftsteller

1933-1940 Exil in Frankreich, Italien, London, Frankreich

im Mai 1940 inhaftiert im Lager Les Milles im Zuge der Arretierung aller Deutschen wegen des Kriegszustandes.

21. Juni 1940 Freitod durch Veronalvergiftung

 

Ödön von Horváth

Schriftsteller

Ende 1934 (nach Uraufführung von "Hin und Her") bleibt Horváth in Zürich, wohnt dann in Wien und Henndorf, 

1938 Emigration aus Österreich, Aufenthalte in Ofen, Prag, Paris - 

1. Juni 1938: Tod durch Unfall auf den Champs-Elysées

 

Hans Henny Jahnn

Schriftsteller

verlässt 1933 Deutschland und lebt als Landwirt, Pferdezüchter und Hormonforscher bis 1947 auf Bornholm

stirbt am  29. November 1959 in Hamburg

 

Georg Kaiser

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

Exil in der Schweiz - 1938 - entwickelt in seinen Arbeiten antifaschistische Züge - (ab 1941) abermals eine dramatische Produktion

verstarb 4 Wochen nach Endes des Krieges am 4. Juni 1945 in Ascona

 

Kellermann

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

 

Alfred Kerr

Schriftsteller / Kritiker

(1867-1948)

15. Februar 1933

Flucht aus Berlin über Prag, Wien, Zürich nach Paris - 1936 Übersiedlung nach England

23 August Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft

 

Paul Kornfeld

Schriftsteller

Jude

1933 ging er nach Prag zurück

1941 wurde er mit den Prager Juden nach Polen deportiert und starb im Januar 1942 im Konzentrationslager in Lodz.

112

Peter Martin Lampel

Schriftsteller

geht 1936 ins Exil, über die Schweiz, Ägypten, Java, Bali nach New York. Lebte nach seiner Rückkehr 1949 in Hamburg. Seine damals entstandenen Schauspiele blieben für das Zeittheater ohne Bedeutung. Er starb im Februar 1965 in Hamburg

 

Thomas Mann

Schriftsteller

erzwungene Demissionierung als Präsident der preußischen Akademie (15.2.1933)

 

Walter Mehring

Schriftsteller

Flucht noch am Abend des 27.2.33 (Brand des Reichstages) nach Paris, 

1938 von Österreich über die Schweiz nach Frankreich, dort zur Auslieferung interniert, desertiert 1941 in die USA

 

Alfred Mombert

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

 

Schickele

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

 

Ernst Toller

Schriftsteller

Ende Februar 1933 ins Exil (über Frankreich nach England) - 

schreibt 1938 in Frankreich das Stück "Pastor Hall"

1936 in die USA - dort gestorben  1939

 

Fritz von Unruh

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

1933 verließ er Deutschland - Exil in Italien, Frankreich, ab 1940 in USA

1962 endgültige Rückkehr nach Deutschland (Hof Oranien bei Diez an der Lahn) 

verstarb dort am 28. November 1970

 

Wassermann

Schriftsteller

Ausschluss aus der preußischen Akademie (15.2.1933)

113

Gustav von Wangenheim

Schriftsteller

Kommunist

1933 Exil in Moskau - 

1945 Rückkehr nach Ostberlin, 

danach Intendant des Deutschen Theaters in Berlin

 

Günter Weissenborn

Schriftsteller

1937 Rückkehr aus der Emigration

1938 Chefdramaturg beim Schillertheater Berlin unter Heinrich George

1937 Mitarbeit in einer Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" um Harro Schulze-Boysen

1941 (November) Anstellung in der Informationsabteilung des Großdeutschen Rundfunks

1942 (August) Verhaftung

1945 von russischen Truppen aus der Haft befreit

bullet

Als er am 9. Februar 1968 am 35. Jahrestag von Hitlers Machtergreifung im Münchner Deutschen Museum eine Rede an die Jugend hielt ging diese unter im Tumult der rechtsradikalen NPD

verstarb am 26. März 1969 in Berlin-Charlottenburg

 

Friedrich Wolf

Schriftsteller

Kommunist

1933 über die Schweiz ins Exil nach Sowjetrussland

 

Carl Zuckmayer

Schriftsteller

(1896-xxxx)

verblieb 1933 in Österreich und ging nach der deutschen Besetzung 1938 über die Schweiz in die USA ins Exil 

 

Stefan Zweig

Schriftsteller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jessner

?????

emigriert und im Dezember 1945 glücklos in Los Angeles gestorben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Indirekte Opfer

xxx

Paul Otto

Schauspieler  ???

Aus privater oder  politischer Verzweiflung, 1943 in den Selbstmord
 

Maria Bard

die erste Frau von 

Werner Krauss

Aus privater oder  politischer Verzweiflung, 1944 in den Selbstmord getrieben
 

Till Klokow

Schauspielerin ??

Hat Till Klokow, deren Freundschaft mit dem jüdischen Anwalt und Dramatiker Hans J. Rehfisch als Makel galt, einen Karriereknick erlebt oder wäre sie sowieso nicht namhaft geworden?
 

Mady Christians

Schauspielerin

Wie reiht man sie ein, die 1931 in die Vereinigten Staaten zurückkehrte, wo sie aufgewachsen war? Als Indiz könnte gelten, das Goebbels sie zurückgewinnen wollte
 

 

Dagny Servaes ging 1945 nach Österreich, in ihre Heimat.
 

Weintraubs Synkopators

eine damals beliebte Tanzkapelle

Sie ließen im September 1933 ihren Vertrag mit dem Wintergarten platzen und kehrten von einem Gastspiel in Rotterdam nicht zurück.
     
     
     
     
 

und ..... und ....

 

Die Nutzniesser ???

xxx

Lothar Müthel

Reichskultursenator und 

Chef des Burgtheaters

 

 

Heinrich George

Generalintendant 

der einige "jüdisch versippte" Künstler beschäftigte, zum Beispiel den Regisseur Ernst Stahl-Nachbaur - mit Billigung der Reichstheaterkammer.

 

Werner Krauss

Schauspieler

Belastet

 

Veit Harlan

Schauspieler ??

Belastet

 

Ida Wüst

Schauspielerin

Verräterin einer Spendenaktion von Kollegen für den in Prag mittellos gestrandeten ehemaligen Berliner Theaterdirektor Carl Meinhardt.

 

Otto Laubinger

als Präsident der Reichstheaterkammer

Ein rechtschaffener Nazi ??

 

Gustav Gründgens

Generalintendant ??

 

 

 

 

 

und ..... und ....

 

entnommen aus:  (31) -  (32) - (33) - (48)

 

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Stand: 27. August 2001