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Biographie  des Schauspielers und Rezitators 

Mathias Wieman

1. Teil

(1902 -1924)

in Verbindung mit dem Zeitgeschehen

rot geschriebenes = weitere Recherche wegen Unklarheit

Name:

Mathias Wieman, 

in Publikationen, Nachschlagwerken und anderen Unterlagen ist oft auch die Schreibweise Wiemann  und Matthias zu finden

Vollständig: Mathias Carl Heinrich Franz Wieman

geboren:

am 23. Juni 1902, in Osnabrück

gestorben:

am 3. Dezember 1969, in Zürich im Alter von 67 Jahren

beerdigt:

wurde nach Osnabrück auf den Johannisfriedhof überführt

Nationalität:

Deutscher

Tätigkeit:

Theaterschauspieler, Filmschauspieler, Fernsehschauspieler, Hörspielsprecher, Rezitator im Rundfunk und auf Schallplatten
Verheiratet:

seit 1926 mit der Schauspielerin Erika Meingast (bürgerlich: Friederike Anna Hedwig Erbersdobler), die Ehe blieb kinderlos.

In Unterlagen wurde aufgeführt, das sie die Schwester des Burgschauspielers Josef Meinrad sei - noch überprüfen

23. Juni 2002 Mathias Wieman´s 100. Geburtstag

23.06.1902

Mathias Wieman (Carl Heinrich Franz Mathias Wieman) wurde in Osnabrück als Sohn von Louise Elise Helene Wieman (geb. Altmann - 04.02.1878 in Wiesbaden) und dem Gerichtsassessor Carl Philipp Anton Wieman geboren -  er war das einzige Kind - 

Sein Elternhaus war in der Johannisstrasse 90A, ein altes Patrizierhaus, das  gegenüber der Johanniskirche stand. 

Das Besitztum der Familie, in dem auch der um das Leben der Stadt Osnabrück hochverdiente Bernard Wieman, der Onkel Wiemans, wohnte, wurde im zweiten Weltkrieg zerstört.

25.06.1902

Nach Auskunft des Niedersächsischen Staatsarchivs in Osnabrück, hat sich an diesem Tag die Mutter Wiemans als Ehefrau eines Assessors in der Stadt Osnabrück angemeldet, wohnhaft bei der Familie Rudolf Wieman in der Johannisgasse 90A. Sie kam vorher aus der Stadt Winsen an der Luhe

In Winsen anfragen ob dort Daten vorhanden

06.08.1902

Umzug der Mutter nach Wiesbaden - für ein Jahr  wann??

Mathias Wieman verlässt als vierjähriger seine Heimatstadt ??? 

welche damit gemeint

Recherchieren in Wiesbaden - Melderegister ??

00.00.1902

oder

1905

Der Vater verstarb sehr früh - . "An den Vater habe ich keine Erinnerung, denn er starb ehe mein Bewusstsein wach war", schrieb Wieman später. 0(20)                 

event. 13.10.1905   in Hildesheim in Nervenklinik gestorben  - heute Landeskrankenhaus - Hauptstaatsarchiv Hannover anfragen - 

Bleistiftvermerk in Osnabrücker Archiv: war  nervenkrank?      wann??

Anfrage Standesamt Osnabrück ob Tod und zu wann eingetragen

00.00.1900

Nach Kindheitsjahren in Mecklenburg und Pommern - der Vater war Beamter, ging er in Berlin zur Schule - (aus Osnabrücker Land Heimat-Jahrbuch 1981 Seite 181f)

Recherchieren

00.00.1905

Mathias Wieman erzählt später: " Als ich drei Jahre alt war zog Mutter mit mir nach Berlin. Dort lernte sie meinen Stiefvater kennen, einen bekannten Kunsthistoriker und Museumsdirektor."

00.00.1906

Mathias Wieman verlässt als vierjähriger seine Heimatstadt - 

Osnabrück?? - 

Mutter dann zwischenzeitlich nach Osnabrück zurück ??

Recherchieren standesamt?

00.00.1906

Durch die Wiederverheiratung der Mutter mit einem Kunsthistoriker bedingt, erfolgt ein Umzug nach Berlin

??.??.1907

Besuch des Schiller-Gymnasiums in Berlin - Lichternfelde - bereits mit der Vorschulklasse beginnend. 

Er konnte zu diesem Zeitpunkt bereits lesen. Da er das Dienstmädchen, das ihm Geschichten vorlesen sollte, im Verdacht hatte, Teile der Geschichten zu unterschlagen, war er sehr früh bemüht gewesen lesen zu lernen. (20)

??.??.190?

Begeisterung für die Fliegerei, die ihn oft zum Flugplatz Tempelhof führt. Er sieht dort Wright mit seiner Flugmaschine. Er kaufte sich Postkarten von den Fliegergrößen der damaligen Zeit und besorgte sich deren Unterschrift.  (20)

Es wird berichtet, das er jeden zweiten Tag auf den Flugplatz ging und den Piloten auch manches mal mit seiner unablässigen Fragerei auf die Nerven ging.

??.??.190?

Wieman schreibt, sobald ein Flieger im Heeresbericht rühmend erwähnt wurde, an diesen ins Feld. Er besaß aus dieser Zeit Photos mit den Unterschriften von Hermann Göring, Manfred von Richthofen, Ernst Udet, Günther Plüschow. (20)

01.08.1914

Beginn des 1. Weltkrieges

00.00.1918

Wird zum Hilfsdienst herangezogen. Begann als Briefbote und arbeitete sich dann gegen Ende des 1. Weltkrieges zum Telegrammboten hoch.

11.11.1918

Ende des 1. Weltkrieges

vor     1920

Macht sein Abitur. Laut Information des VESLG (Verein ehemaliger Steglitzer und Lichterfelder Gymnasiasten) soll Mathias Wieman als Heinz Makowski vor 1920 am Schiller-Gymnasium Lichternfelde das Abitur gemacht haben.

????? dort näheres erfragen????

Es ist vielfach zu lesen, das Mathias Wieman gesagt hat, das er, wenn er nicht so schlechte Noten in Mathematik gehabt hätte, sicherlich Flugzeugbauer geworden wäre. 

00.00.1920

Studiert 4 Semester Philosophie und Kunstgeschichte, an der Universität zu Berlin. Dort übte er sich auch im Aktzeichnen und Degenfechten.

00.05.1920

In einem Artikel ist zu lesen, das er im Großen Schauspielhaus Werner Krauß als Julius Cäsar im gleichnamigen Trauerspiel von William Shakespeare sieht und dadurch seine Liebe zum Theater entdeckt - dies Stück wurde vom 28.05.1920 bis 29.12.1920 während 70 Aufführungen gespielt - 

recherchieren was daran stimmt

Herbst

1921

 

Er erklärt daheim, nach Wien fahren zu wollen, um sich dort umzutun und gegebenenfalls dort weiterzustudieren.

Er fährt, mit aus gegebenen Nachhilfestunden Erspartem, bis  Passau und wandert in einem 10-tägigen Fußmarsch bis Wien weiter.

Kaum angekommen besorgt er sich eine Eintrittskarte für den Hamlet im Burgtheater, und sucht sich eine Unterkunft im Studentenheim in der Porzellangasse. 

Er lief von Theaterbüro zu Theaterbüro, doch der Versuch ein Engagement an einer Wiener Bühne zu erhalten misslang. Da lass er in einem Wiener Kaffeehaus eine Anzeige, dass in Berlin in der Schauspielschule des Berliner Theaters noch 6 begabte Schüler aufgenommen werden.

Wieman verlässt Wien so überstürzt, dass er sogar vergisst im Kaffeehaus seinen Kaffee zu zahlen, was er Jahre später bei Dreharbeiten zu einem Film in Wien nachholt. (20)

00.00.1921

Mathias Wieman fährt in der vierten Wagenklasse zurück nach Berlin und stellt sich in der Schauspielschule vor. Wieman ist enttäuscht, man fragt nicht als erstes nach seiner Begabung, sondern ob sein Vater das Schulgeld bezahlen könne. 

Da Wieman jedoch diesen Schritt vor seiner Familie geheim halten wollte, die hierzu niemals die Zustimmung gegeben hätte, muss er das Schulgeld für drei Monate im voraus einzahlen. Er brachte das notwendige Geld aus Erspartem und Geliehenem  zusammen (u.a. verkauft er auch seine Münzsammlung) und durfte am Unterricht teilnehmen. (20)

Er war nun Schüler der Max-Reinhardt-Schule in Berlin, der Schauspielschule des deutschen Theaters Berlin, untergebracht in den Gebäuden der Kammerspiele, die von Berthold Held geführt wurde. Reinhardt selbst lehrte gelegentlich Ensemblespiel und Regie und inszenierte auch Vorstellungen der Schüler. (9)

Wieman besucht die Abendkollegs, um Studium und Schauspielunterricht miteinander in Einklang zu bringen und auch noch Zeit für Nachhilfestunden zu haben, damit er dass weitere Geld für den Unterricht zusammen bekam. (20)

13.12.1921

bis

08.03.1922

In einem anderen Artikel heißt es: Seit ihn Max Reinhardt, wie erzählt wird, als stummen Gast bei einer Probe zu August Strindbergs "Traumspiel", im Deutschen Theater, entdeckte und für die Rolle des Arnold Kramer verpflichtete.

- dies Stück wurde vom 13.12.1921 bis 08.03.1922 während 35 Aufführungen gespielt - 

Wieman war auch bei diesem Stück Statist um sich das Geld für seine Schule zu verdienen. Hierüber berichtet Wieman selber in ..................

noch einfügen

In Die Welt vom 26.06.1967:

»Über den Beginn seiner Schauspielerarbeit gibt es widersprechende Berichte. Zu lesen ist, der zwanzigjährige Wieman sei ins Deutsche Theater geschlichen und habe im dunklen Zuschauerraum gekiebitzt, als Max Reinhardt mit Klopfer, Krauss und Helene Thimig Strindbergs „Traumspiel" probte. Ein Assistent habe versucht, den ungebetenen Gast zu vertreiben, aber Reinhardt selbst habe den jungen Mann dabehalten und bald einen Darsteller aus ihm gemacht, ...«

prüfen  ob dieser Hinweis stimmt

31.01.1922

und

02.02.1922

bis

19.02.1922

Als man im Deutschen Theater den Bajazzo als Pantomime unter der Regie von Eric Charell gab, wurde ein Statist gesucht, der den Esel darstellen sollte. Alle Statisten hatten sich geweigert, diese Rolle zu übernehmen, weil sie ihnen zu unwürdig erschien. Da es hierfür aber das doppelte Geld gab und Wieman Geld brauchte, übernahm er diese Rolle - sein erstes Debüt auf der Bühne. 

Er hoffte vergeblich dadurch auch an andere Statistenrollen heranzukommen. (20)

NP im Linzer Volksblatt vom 23.06.1962 rückblickend:

»Bei Max Reinhardt betrat er zum ersten Mal die Bühne: als Esel. In grauer Haut trottete er in einer Bajazzo-Pantomime über die Bühne. Seit diesem seltsamen Auftritt als Vierbeiner fühlte er sich im Banne der Kulissenwelt, in der er untheatralisch lebt.«    

00.00.1922

ca. 3 Monate nach seiner Statistenrolle im Bajazzo

Nachdem er immer mehr den Eindruck bekam, das er auf der Schauspielschule nicht das lernen würde, was er wollte, gab er den Unterricht auf. (20)

In HÖR ZU vom 07.02.1954 rückblickend:

»Schließlich ist es ihm zu dumm. "Was ich hier gern gelernt hätte, das habe ich nicht gelernt. Und was ich gelernt habe, das wollte ich nicht lernen! Auf Wiedersehen!" Der Lehrer machte ein verblüfftes Gesicht und sein unternehmungslustiger Schüler auf dem Absatz kehrt"«   

00.06.1922

Er las eines Tages (Sommer 1922) am Schwarzen Brett, das eine Schauspielgemeinschaft im Schleswig-Holsteinischen, die sich "Der Maskenwagen der Holtorf-Truppe" nannte, junge Schauspielkräfte suchte.

Trotz heftiger Auseinandersetzungen im Elternhause folgte er seinem starken Wunsch Schauspieler zu werden und auf der Bühne zu stehen und schloss sich dieser Wanderbühne an. (20)

Hans Holtorf dazu:

Eine Kraft wie Mathias Wieman bedeutete natürlich einen außerordentlichen Zuwachs für die Truppe, obwohl wir uns manchmal nicht ganz einig waren. Und das war weiter kein Wunder, wir waren allesamt jung, mitten in der Gärung und hitzköpfisch obendrein. Mathias war von dem mir gerade entgegengesetzten Pol her zum Theater gekommen. Er war angefüllt mit der damals sehr verbreiteten Russomanie, Dostojewski und Stanislawski waren seine Götter; Seele, Seele und nochmals Seele war deren und also auch seine Parole ...... 

Die Holtorf-Truppe, die Ihren Sitz in Heide hatte, wo man auch die Proben abhielt und die Spielzeit vorbereitet, bestand, zu dieser Zeit, aus 20 männlichen und 6 weiblichen Mitgliedern.

Sie wurde, im August 1920, von dem schleswig-holsteinischen Maler Hans Holtorf aus Heide  ins Leben gerufen und zog mit einer Schar junger Menschen, zu Beginn vorwiegend Freunden Hans Holtorfs, durch das, anfangs vornehmlich schleswig-holsteinische und dänische Land.

Holtorfs erste Spieler waren Laien, die ohne programmatische Vorgaben, Parteieneinfluss oder einem Manifest, sondern aus Begeisterung und Liebe zum Theater spielten. 

Erst später kamen auch Schauspieler hinzu. Ab 1922 bestand die Truppe sogar überwiegend aus jungen Schauspielern. Holtorf sammelt um sich, was er für seine Absichten glaubt brauchen zu können. Wobei er mehr auf Musikalität und bildliche Vorstellungsgabe, als auf bereits vorhandene schauspielerische Erfahrung sah. Körpersicherheit und gute Sprache wurden freilich gefordert. (67) 

Alles in allem - Studenten, Musiker, Schauspieler, die erfüllt waren von ihrer Mission und nicht danach fragten ob sie Geld oder Ruhm einheimsten, denn der Programmzettel nannte keinen Namen und von Gage konnte keine Rede sein. Jeder tat alles, die Kostüme wurden selber genäht, die Dekoration selber gemalt. Sie stellten eine Kompanie dar, in der der einzelne nichts, das Ganze aber alles bedeutete. 

Sie führten jene Mysterienspiele auf, die als Vorläufer des Dramas galten: die Schwänke von Hans Sachs, den Doktor Faustus nach Texten des 17. Jahrhunderts, den Totentanz nach den Drucken von 1463 und 1520, die "Soldaten" von Lenz.

Sie wanderten von Ort zu Ort und spielten in den Schänken und auf den Plätzen. (20)

Wolfgang Goetz, Schriftsteller und Kritiker der Vossischen Zeitung Berlin, der 1923 einige Wochen mit der Truppe reiste, schildert folgendes:

"Es geht ihnen nicht allzu gut, mittags speist sie die Stadt Heide aus dem Armenhaus, abends gibt es Brot und Margarine, wenn nicht die guten Bürger, die sie kostenlos beherbergen, etwas nachstopfen ...., denn von Gage außer den Naturalien ist selten die Rede" (W. Götz, Reise ins XV. Jahrhundert, Vossische Zeitung Berlin, 9.11.1923)

 

Mathias Wieman schreibt in einem Aufsatz "Der Maskenwagen der Holtorf-Truppe" in der Chemnitzer Volksbühne im Jahre 1924 folgendes: 

"Wir sind ein Theater, das sozusagen von vorn angefangen hat" ..... "bezeichnend für unser Theaterspielen ist, das wir nie Theorie hatten, sondern das Erkenntnisse uns nur aus dem Spielen selber zufielen." ........."Armut hat uns auf eine unverfälschte Form des Spielens gebracht. Anzuschaffen war vor jeder Spielzeit nur das Notwendigste und aus diesem Notwendigen das Stärkste an Ausdruck herauszupressen. 

Er schreibt dort zu den Kulissen: 

"Man brauchte einen allgemein gültigen Hintergrund. Nahm schwarze Vorhänge; entdeckte, dass jede Kulisse dem Schauspieler eine Aufgabe fortnimmt, entdeckt, dass jede Kulisse sogar hemmt und das Auge des Zuschauers ablenkt vom Wesentlichen"

"Ein allgemein gültiger Hintergrund, wie er durch die einfarbigen Vorhänge gebildet wird, ist freilich noch kein Bühnenbild, dieses wird erst durch den kostümierten Schauspieler geschaffen. Man kam auf Gewänder von einfachsten Schnitt, in ungebrochenen Farben. So das Bühnenbilder von den Menschen gebaut wurden, nicht von den Kulissen. Haftet der Blick der Zuschauer nur auf dem Menschen, muss sich der Mensch voll und stark im Ausdruck  halten und bewegen."

Weiterhin schreibt er zu den geschminkten Masken, die auch zu einem typischen "Markenzeichen" der Holtorf-Truppe wurden, folgendes:

"Die Mutter all der tragisch-komischen Masken, die sich jetzt jedes Mitglied der Holtorf-Ensembles vor jeder Vorstellung auf das Gesicht malt, dieser berühmt gewordenen starkfarbigen und wesentlichen Masken des "Maskenwagens", ist das Gesicht Holtorfs als Tod im Totentanz. Das ganze Gesicht knochenbleich, um die Augenhöhlen bis zum Knochenrand schwarz - das war die erste und in den Anfangsjahren einzige Maske. Bild und Vorstellung der tödlichen Allgewalt, fraglos selbstverständlich von jeher. Die zweite Maske, wieder Bild und Vorstellung einer Gewalt: der bösen, verführerischen, verzehrenden - die Satansmaske. Bleich und rot um die Augen. Das dies lange Zeit die einzigen waren, fiel niemanden auf, waren es doch die zwei einzigen Gewalten, die notwendig anders aussehen mussten, als der Kreis der Menschen, der ihnen unterworfen ist. Der Tod ist etwas anderes als ein Mörder, der Teufel etwas anderes als ein Verführer." (502)

In der Spielzeit 1923/1924 wurden, als entscheidende Neuerung, diese Masken auch für die Menschengesichter eingeführt.

Dies war auf ein Erlebnis zurückzuführen, das Hans  Holtorf in seinem Buch "Jugend zwischen Malerei und Theater - Lebenserinnerungen 1899 - 1937" wunderbar beschreibt:

"So setzte ich mich eines Abends in den Zuschauerraum und sah mir den Dr. Faustus an. Im großen und ganzen war ich ganz zufrieden. Es griff alles gut in einander, die Musik des Sprechens baute sich klar auf, das Bildmäßige war fest gefügt, die Bewegungsabläufe präzise. Nur eines beunruhigte mich: die Gesichter der Spieler, vor allem der Faust selbst, waren alles andere als bestimmt formuliert, sie wirkten verschwommen und zufällig, passten in die Aufführung nicht hinein. "Du musst dich viel stärker schminken," sagte ich nach der Vorstellung zu Mathias, "überhaupt müssen wir uns alle einmal eingehender mit der Schminkerei befassen, die Gesichter sehen von unten wie ungeformter, weicher Käse aus"

Und Wieman weiter dazu: "Es handelt sich also nur darum, auszuprobieren, wie sich das gefundene Schema variieren ließe, um sowohl für jede Figur das ihr gemäße Gesicht, wie auch für jedes Stück die ihm entsprechende Maskengattung zu finden, denn offenbar verlangte der Totentanz anders maskiert zu werden, als die Komödie der Irrungen, während der Dr. Faustus etwa zwischen beiden liegen mochte." (502)

 

hierzu eventuell noch weiteres aus dem Artikel Wiemans einfügen und auch bei Brandt (47/48) nachprüfen

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00.00.1922

 

Die Spielzeit im Sommer 1922 dauerte 3 Monate. 

 

Es wurden 71 Vorstellungen gegeben. 

 

Auf dem Spielplan standen:

 

Lübecker Totentanz (15 Aufführungen)

Theophilus (15 Aufführungen)

Der Deutsche Schlemmer, das Spiel vom reichen Mann (13 Aufführungen)

Das Puppenspiel vom Doktor Faust (11 Aufführungen)

Lanzelot und Sanderein, ein ernsthaft Spiel von ihren Minnen (7 Aufführungen)

Absurda Comica oder Herr Peter Squenz (7 Aufführungen)

Sankt Peter vergnügt sich mit seinen Freunden unten auf Erden 

(3 Aufführungen) 

(67)

 

Link zu den detaillierten Auftrittsdaten der Spielzeit 1922 (67)

 

Ernst Ginsberg, der fast zur gleichen Zeit zur Holtorf-Truppe stieß, beschreibt die erste Begegnung mit Mathias Wieman wie folgt: 

"Ich kam mit einem großen, interessant aussehenden jungen Mann zusammen ins Quartier, den man mir schon vorher als eine Art « Grabbe- oder Büchner-Typ » geschildert hatte. Am Abend, als wir in den Federn lagen, sagte ich: «Wir werden doch jetzt hier längere Zeit zusammen arbeiten. Wollen wir uns nicht du sagen? Ich heiße Ernst.» Darauf sagte er: «Gerne, aber meinen Namen musst du raten. Ich habe nämlich einen besonders schönen Namen. » Ich erriet ihn nicht. Da sagte er, er heiße Heinrich Mathias. Sein Nachname war Wieman. Dann wurden wir «Faust» und « Mephisto », nicht nur für jene Zeit, sondern auch noch 35 Jahre später in Zürich." (65)

Das Faustspiel allerdings, das wir in Heide zu spielen hatten, war das sogenannte « Puppenspiel vom Doktor Faust ». Dieses Stück enthält eine gewaltige Kernszene, in der Faust den Mephisto beschwört, ihm zu sagen, was er, Mephisto, tun würde, wenn er noch Hoffnung auf Seligkeit hätte. Es folgt darin der Satz, den ich, obwohl schon öfter zitiert, auch hier wieder in Erinnerung rufen möchte, denn diese Szene und dieser Satz wurden wie zum Leitsatz für mein ganzes künstlerisches Leben. Mephisto versucht die Antwort zu verweigern, aber Faust zwingt ihn, kraft des Paktes, zum Geständnis.

Ich war mir der Gewalt dieses Satzes bewusst. Aber ebenso war es mir völlig rätselhaft, wie ich das spielen sollte. Derlei war mir noch nie untergekommen. Ich bat Holtorf um Rat. Er sagte: «Das müssen Sie wissen.»

So gingen wir in den Gasthof zur Probe, Holtorf, Wieman und ich. Ich weiß noch, Wieman hatte mich von einem großen Podest herab zu beschwören. Ich wand mich unten, zu seinen Füßen, in Widerstreben, fast am Boden. Dann ließ ich geschehen, was geschehen wollte. 

Der ungeheure Satz brach in langsamer Steigerung aus mir heraus. Aus der bedrückten Stellung richtete ich mich mit dem Bilde der Leiter mehr und mehr auf, bis ich bei dem Wort «um nur ein einziges Mal Gott anzuschauen» mit nach oben ausgestreckten Armen und zurückgerissenem Kopf meine äußerste Länge erreicht hatte. Dann stürzte ich, wie vom Blitz getroffen, flach auf den Boden, wo ich den Satz «dann wollte ich gerne in alle Ewigkeit wieder ein Geist der Verdammten sein » nach einer langen Pause nur mehr leise wimmerte. - Nichts von all dem war Absicht oder überlegt. Es war wahrhaft reinste «Expression», ungeheuer gesteigert, ekstatisch, unter Hergabe der letzten physischen Kräfte, außerhalb jeder Psychologie, denn was sollte bei einem so abstrakten Satz « Psychologie ». Damals wusste ich überhaupt nicht, was ich tat, ich war in die Szene halb bewusstlos hineingesprungen. Als sie vorbei war, kam Holtorf mit nassen Augen begeistert auf die Bühne gesprungen, umarmte Wieman und mich und sagte: «Heute ist keine Probe mehr!» Dann gingen wir zusammen aus dem Städtchen hinaus ins Freie und legten uns auf eine Wiese, wo ich zwar vor Erschöpfung, aber unvergesslich gut und glücklich in der Sonne schlief. Das war meine erste große Probe, sie war sozusagen «die Probe aufs Exempel». (65)

Link zu einem Theateraufsatz von Ernst Ginsberg zum Mephisto

 

 

Mathias Wieman schrieb 1959 in einem Brief an Haide-Marie Brandt, die 1960 über die Holtorf-Truppe eine Dissertation verfasste: "Ich wurde als zweiter Chargenspieler und Komiker angenommen; ein Hauptakteur (Helmuth Schüler) fiel aus, weil er ein Engagement an die Hamburger Kammerspiele annahm, und so fielen mir die großen Rollen zu: Dr. Faust, Theophilus, im folgenden Jahr auch Büchners Woyzeck, Stolzius in Lenz "Soldaten".

Wieman spricht davon, das dieser Zufall, der Fortgang eines Hauptakteurs, ihm sehr schnell zu großen Rollen verhilft und ihm dadurch bei der Truppe zu einem glücklichen Anfang verhilft.

Es gibt aus den Anfangsjahren der Truppe wenig Theaterkritiken, die die Leistung der einzelnen Schauspieler besonders hervorhebt.

Dennoch gibt es zu einigen seiner Rollen einige Äußerungen.

 

So ist zu seinen Rollen als Theophilus und Faustus im Jahre 1922 zu lesen:

in "Kieler Neuste Nachrichten" vom 10.9.1922:

......, das er sie "mit großem Geschick darstellt", 

und im "Neustädter Tageblatt" vom 9.9.1922  

wird "von eindrucksvoller Wiedergabe" geschrieben.

In "Lübeckische Blätter" vom 10.9.1922 ist zu lesen:

 "Der Darsteller des Theophilus vermochte die Qual seiner Sünde nicht so innerlich gestalten, das wir sie mitgelitten hätten."

Die Aussagen der verschieden Theaterkritiken lassen insgesamt den Rückschluss zu, das Wieman bereits in der ersten Spielzeit bei der Holtorf-Truppe seine darstellerischen Mittel zu formen und einzusetzen versteht, und das er das Bühnengeschehen so wiedergibt, das er das Publikum beeindruckt, ja zuweilen sogar erschüttert. (68)

10.09.1922

Aufführung des "Theophilus" in ............. 

Die Schleswig-Holsteinische Volkszeitung, Kiel vom 11.9.1922 schreibt: 

.... mehr als der gewaltige Ausbruch der Gefühle erschütterte an Theophilus die gestraffte Leidenschaft, die maßvolle Bändigung. Da sah man nichts Improvisiertes, sondern jede Gebärde, knapp und ausdrucksstark, ist von glaubhafter Notwendigkeit. Die Hand wird bei Theophilus Träger des Seelischen, und die gekrampften oder heischend gespreizten Finger reden eine eindringliche Sprache." .....

06.10.1922

Aufführung des Theophilus in ................ 

die Westdeutsche Zeitung, Hagen vom 7.10.1922: 

".... zwang beim Theophilus besonders die Gewalt seines visionären Blicks ....."

00.00.19xx

nach einjähriger Tätigkeit unterbricht Wieman diese Arbeit, weil er das Bedürfnis spürte noch zu lernen und nimmt für etwa ein halbes Jahr Unterricht bei Hubert Heinrich, geschäftlicher Direktor, Barnowskis Oberregisseur und Schauspieler des Lessing Theaters. 

Mathias Wieman schreibt hierzu: "Ich habe ihm viel zu danken, denn er ist es gewesen, der meine Entwicklungskräfte frei gemacht hat und mich auf den richtigen Weg führte" (20)

00.00.19xx

Danach ging er zurück zur Holtorf-Truppe, die ihre Spielbezirke immer weiter ausdehnte, nach Westfalen, Württemberg, Bayern und Sachsen und eines Tages auch vor den Toren Berlins anlangte. Sie spielten nun auch häufiger in richtigen Theatern, weil in diesen Notzeiten einige Gebäude leer standen. So auch in Potsdam, wo sie im Schauspielhaus Büchners "Woyzeck" aufführten. (20)

Die Berliner Presse entsandte ihre ersten Kritiker, die die Truppe, die soviel von sich reden machte, unter die Lupe nehmen wollte. 

Dort war dann zu lesen: ...... " Diese Schwärmer verraten ihre Namen nicht - eine schöne Selbstopferung und Absage an das Starwesen. Aber der Darsteller des Woyzeck soll doch genannt werden, er heißt dem Vernehmen nach Wieman. Er ist jung, aber schon reif. In einer still bezwingenden Art, mit feinen, reinen Händen trug er das Schicksal der Armut zu unseren Herzen" ......  (20)

Haide-Marie Brandt schreibt zu Wieman: 

"Abschließend darf über das schauspielerische Können der ersten Spielzeit gesagt werden, das Wieman seine darstellerischen Künste zu formen und einzusetzen versteht, und das er Bühnengeschehen so wiedergibt, das er das Publikum beeindruckt, ja zuweilen sogar erschüttert." (68)

Ernst Ginsberg schreibt über Mathias Wieman  : 

Der reifste von uns allen war damals zweifellos Wieman, der auch schon vom Statieren am Deutschen Theater in Berlin eine gewisse Bühnenerfahrung mitbrachte. Wieman war uns aber auch noch in andern Dingen voraus: er trank, und zwar mit Vorliebe Eiskümmel, was uns geradezu dämonisch verrucht erschien, und er wusste bereits mit Mädchen umzugehen, was wir halb mit Staunen, halb mit Schrecken beobachteten. Während ich in jener Zeit noch ganz mit meinem Hölderlin lebte, rang er mit den Abgründen Dostojewskis. Er spielte außer seinem Faust einen wahrhaft erschütternden Woyzeck, der schon viel von der Presse beachtet wurde, obwohl wir alle anonym spielten. Kein Schauspielername wurde genannt. (65)

und weiter schreibt er:

Vor Beginn der zweiten Tournee hatte Wieman übrigens erklärt, er wolle ein ganz anderes Leben führen, er habe genug von Mädchen. Ich erinnere mich, nach vollendetem Bühnenaufbau in der kleinen Kirche des Holsteinischen Dorfes Lunden auf den Kirchturm gestiegen zu sein, um etwas über Land zu schauen. Da sahen meine erstaunten Augen die große, etwas gebückte Gestalt Wiemans zwischen den Kornfeldern einher wandeln, an der Hand eine unserer neuesten Darstellerinnen. Ich läutete teuflisch die Kirchenglocken, und die beiden schauten erschrocken auf... Ach, was wir auf diesen Reisen alles erlebten! (65)

23.09.1923

 

Beginn der Tourneen der Holtorf Truppe der Spielzeit 1923/24 - 

7 Monate Spielzeit 

mit 150 Vorstellungen. 

 

Auf dem Spielplan standen:

 

Komödie der Irrungen (37 Aufführungen)

Lübecker Totentanz (37 Aufführungen)

Was Ihr wollt (28 Aufführungen)

Doktor Faustus (27 Aufführungen)

Woyzeck und Totengräber vom Feldberg (18 Aufführungen)

Soldaten (5 Aufführungen)

Totengräber vom Feldberg (2 Aufführungen)

 

Link zu den detaillierten Auftrittsdaten der Spielzeit 1923/24 (67)

 

Die Mitglieder der Truppe waren, soweit dies ermittelbar war, neben Mathias Wieman, zu dieser Spielzeit: Gerhard Brosig, Dora Gerson, Ernst Ginsberg, Veit Harlan, Maria Heil, Ruth Hellberg (Herbst 1923-Februar 1924 dabei), Hans Holtorf, Gerda Joswig, Hans Heinrich Klatt, Margarete Kyper, Ruth Ledermann, Hans Mahlau, August Rabien, Oskar Schab, Werner Siedhoff, Walter Ullmann, Anette de Vries, Heinrich Wortmann, Willy Wortmann. (68)

Da die Truppe erst ab der Spielzeit 1924/25 im Deutschen Bühnenjahrbuch geführt wurde, ist genaueres hierzu nicht zu sagen.

 

23.10.1923

24.10.1923

Auftritte in Schleswig (Volksbühne)

"Komödie der Irrungen" von Shakespeare - Wieman spielt darin die Rolle des Greises Aegeon 

Die Schleswiger Nachrichten vom 26.10.1923 schreiben: ... "den Aegeon sprach Mathias Wieman mit schöner schlichter Würde" ....... 

Schleswiger Volkszeitung vom 27.10.1923: .... "knapp. aber doch eindrucksvoll gestaltete Wieman den Aegeon" .......

"Was Ihr wollt" von Shakespeare - hierin spielt Wieman den Herzog Orsino.

Die Schleswiger Nachrichten vom 26.10.1923 schreiben: "Mathias Wieman (Haltung Herr Herzog!) gab dem Orsino individuelles Leben und Tiefe des Wesens und der Empfindung" .... 

??.11.1923

Durch die Einführung der Rentenmark wurden mit einem Schlag alle Sparguthaben vernichtet. Eine neue Rentenmark (Goldmark) wurde mit einer Billion Papiergeld gleichgesetzt.

Auch in der vorrangegangenen Inflationszeit konnte die Holtorf Truppe keine Rücklagen erwirtschaften. 

Der allgemeine Geldverknappung führte auch zu einem erheblichen Rückgang des Theaterbesuches, den auch die Holtorf-Truppe zu spüren bekam. 

Hans Holtorf führte hierzu aus: "Die Inflation hatte ihren Höhepunkt erreicht. Als Theaterkasse dienten jetzt Wäschekörbe oder ähnliche Behälter, und trotzdem reichten die Berge von Geldscheinen nur selten aus, die notwendigsten täglichen Ausgaben zu bestreiten. In den Hotels mussten wir Pfänder zurücklassen, die Schreibmaschine, die Musikinstrumente, Gepäckstücke, ja einmal mussten wir sogar einen Spieler versetzen, bis wir ihn, vielmehr bis Vater Rabien ihn nach zwei Tagen auslösen konnte. Es war sein eigener Sohn." (67)

13.11.1923

Aufführung des "Woyzeck" in ................... im ............................

Potsdamer Tageszeitung vom 14.11.1923: 

"und die Stimme des Kosmos, brüllend-gewaltig sprach in der schaurigen Dämonie einer Szene, die allein dem Abend unvergesslichen Wert gegeben hätte: Als im zweiten Bilde, Woyzeck und Andres Ruten schneiden, und Woyzeck die Geister unter hoher, schwankender Erdrinde heraufkommen fühlt." .... 

16.11.1923

Aufführung des "Woyzeck" im Schauspielhaus Potsdam

Dessauer Zeitung vom 17.11.1923: ... "Der Woyzeck selbst auf einer Höhe, die wir hier nicht oft sehen." ......

Vossische Zeitung vom 17.11.1923: ..."Aber der junge Darsteller des Woyzeck - sein Name Mathias Wieman sei genannt, obwohl die Namen der Schauspieler auf ihren Wunsch nicht auf dem Theaterzettel stehen - ist eine starke Begabung. Er ist es, der jeder Szene Ton, Tempo, Aufbau, Steigerung gibt. Aber es ist nicht der dumpfe, verhetzte arme Teufel (wie ihn Klöpfler gibt); er ist ein sinnierender, grübelnder, hellsichtiger Bursch."

Friedrich Engel schreibt im Berliner Tageblatt vom 16.11.23

"Aber der Darsteller des Woyzeck soll doch genannt werden. Er heißt dem Vernehmen nach Wieman. Er ist jung, aber schon reif. In einer still bezwingenden Art, mit feinen und reinen Händen trug er das Schicksal der Armut zu unseren Herzen." 

Diese Kritik soll, so Mathias Wieman von großer Bedeutung für ihn werden. 

Er schreibt selber dazu: "Diese Woyzeck-Aufführung hatte noch einen anderen Erfolg: ich erhielt einen Brief des Deutschen Theaters, in dem ich gebeten wurde, mich doch einmal vorzustellen. Ich steckte das Schreiben ein, reagierte zunächst nicht darauf, ........"

00.00.19xx

Die "Woyzeck" Aufführung hatte einen weiteren Erfolg. Wieman erhielt einen Brief des Deutschen Theaters, in dem er gebeten wurde sich doch einmal vorzustellen.

Wieman steckte das Schreiben ein und reagierte erst später.  Aus Ärger darüber, dass man seinem brennenden Wunsch den Hamlet zu spielen nicht nachkam, schied er von der Truppe, erinnerte sich an die Aufforderung und suchte das Deutsche Theater auf.

Er trug dort 2 Rollen vor, den Moritz Stiefel und den Woyzeck, und wurde sofort engagiert. (20)

08.01.1924

Zweitägiges Gastspiel in Hagen mit Büchners "Woyzeck" und Lenz´s "Soldaten" 

Die Hagener Zeitung vom 11.1.1924 berichtet hierzu: "Es gab etwas Gutes im Theater, - weshalb es so wenig besucht war. Das ist fast immer so. Die Holtorf-Truppe wird dies richtig zu deuten wissen".

10.02.1924

Gastspiel in Dessau mit "Was Ihr wollt" von Shakespeare - hierin spielt Wieman den Herzog Orsino. 

Die Verkörperung dieser Rolle wird nur begrenzt gelobt, da Wieman nach Meinung der Kritiker zu wenig herrschaftliche Würde ausstrahlt.

Anhaltische Rundschau, Dessau vom 11.02.1924: .... "das es dem Herzog selbst an letzter Hoheit gebrach, lag sicher daran, das der Darsteller erst gegen Ende des Spiels die rechte Männlichkeit im Ton fand" ....

Dessauer Zeitung vom 13.2.1923: ... "Zu wenig auf Würde war dagegen das Spiel des Herzogs angelegt" ....

Haide-Marie Brandt, führt in ihrer Dissertation über die Holtorf-Truppe hierzu aus: aus diesen Beurteilungen kann geschlossen werden, das Wieman den Orsino in erster Linie als den Menschen gibt, der an einem schweren Liebeskummer krankt, und das der Herzog als würdevoller Vertreter seines Stammes hinter diesem leidenden Menschen an Bedeutung einbüsst. (68)

Wenn Holtorf schreibt: "Mathias war von dem mir gerade entgegengesetzten Pol zum Theater gekommen. Er war angefüllt mit der damals sehr verbreiteten Russomanie, Dostojewski und Stanislawskij waren seine Götter, so mag diese Aussage zur Klärung von Wiemans Auffassung einer Rolle beitragen. Er erschließt das Leben einer Rolle vom Seelischen her. Er fragt, was geht in der Seele dieses bestimmten Menschen vor. Er will das Individuum herausstellen in seinem Glück, das es erhebt, und in seinen Qualen, die es ertragen muss. Holtorf dagegen geht es viel weniger um den Menschen in seiner einmaligen Besonderheit als um den Vertreter eines Typus: das gilt verstärkt für die Komödien, in denen er sich der Commedia dell´arte und ihrer Typisierung der Menschen annähert. (68)

noch

terminlich

zu

ordnen

"Doktor Faustus" - nicht in der goethischen Fassung sondern als ..........

Mathias Wieman schreibt selber hierzu: "Man kann den Doktor Faustus gewiss auf zwei Arten spielen, als zufälligen Menschen, ähnlich allen Zuschauern unten, unterschieden nur durch sein Schicksal, oder als naturfernes Sagenwesen ....... so galt es dem  Doktor Faust den Zauberer anmerken zu lassen, den Verdurstenden nach magischer Macht, den Teufels-Verschriebenen." (502)

Die Kritiken, die im wesentlichen immer positiv sind, lassen den Rückschluss zu, das Wieman seinen Zuschauern auch diese verschiedenen Varianten darbietet, Mal den Faust als Magier, ein anderes Mal den Faust als suchenden Mensch, der sich selbst peinigt.

Die Faustgestaltung Mathias Wiemans scheint vom Zweierlei der Stile beeinträchtigt zu werden, die Kritiken zu diesem Stück fallen sehr unterschiedlich aus und spiegeln wohl auch die Unterschiedlichkeit dar, mit der Wieman die Rolle anging.

Münchner Zeitung vom 17.04.1924:  "Der Darsteller des Faust zeigte auf eine lebendige, erschütternde Weise das Hingenommen-Haltlose dieses Magiers, der sich ebenso am Zauberblendwerk kindisch freut, wie auf der anderen Seite immer voller Schwermut bleibt - düsteres Bild der menschlichen Schwäche und Spiegel einer trotzig verlorenen Seele ohne Modulation zum freundlicher oder feuriger Menschlichen"

So gut Wieman anscheinend bei dieser Aufführung den Stil des Puppenspiel - Fausts getroffen zu haben scheint, so weit ist er in einer anderen Aufführung wohl von ihm entfernt gewesen. 

Als Beispiel hierzu die Kritik in der "Münsterischen Zeitung" vom 14.01.1924

 " ... Nur vom Doktor Faustus wollen wir sagen, das er groß und typischer Faustmensch war, mit der ungeduldigen Hast des Inneren, dem ungestümen Lebens- und Wissendrang, der Seelennot. Und dabei half ihm vorzüglich eine feine Sprache......." 

Sie führt weiter aus: "Zwischen diesen Faustgestalten steht eine dritte, ein Faust, der sich weder für den Zauberer noch für den Selbstpeiniger entscheiden kann, der in der Presse als "matt" ("Thüringer Allgemeine Zeitung" vom 14.1.1924) oder "blass" ("Mitteldeutsche Zeitung, Erfurt" vom 15.03.1924) bezeichnet wird. 

Oder wie in der "Neckar Zeitung, Heilbronn" vom 3.4.1924 angeführt wurde: " ... am meisten noch vom hemmenden Intellekt beschattet ...."

Diese Uneinheitlichkeit in der Darstellung des Dr. Faust mag auch typisch sein für einen jungen Menschen, der noch auf der Suche nach einem unbestimmten Ziel ist. 

Haide-Maria Brandt spricht die Vermutung aus: "Vielleicht mag Stanislawskis Wort, das "persönliche, konzentrierte Gedankenarbeit, Eindringen in das Wesen des Gegenstandes" die Rollen erschließen helfen, von Wieman falsch angewendet werden und treibt ihn auf immer neue Fährten." 

Sie führt weiterhin aus: "Häufig wechseln große Abende mit solchen, an denen der Hanswurst und der Mephistopheles statt Faust den Mittelpunkt der Aufführungen bilden. Darüber hinaus darf wohl angenommen werden, das der nur um wenige Jahre ältere Hans Holdorf nicht der Spielleiter ist, der Wieman so zu leiten versteht, das er sich seiner Regie stets bedingungslos unterordnet. Ein anderer Grund, der zur Klärung der verschiedenartigen Gestaltung des Dr. Faustus beiträgt mag sein, das in der Holtorf-Truppe nur wenige Stücke gleichzeitig auf dem Spielplan stehen und diese sehr oft wiederholt werden. So wird der Rollenhunger eines jungen Schauspielers nicht befriedigt und er sinnt darauf, innerhalb der Rollen, die er schon viele Male gestaltet hat, zu variieren und entfernt sich auf diese Weise von der Regie und aus dem Ensemblespiel.

Hans Holtorf, zur Darstellung des Faust durch Mathias Wieman: 

Mathias spielte den Dr. Faust, und gewiss, er hatte großartigen Abende. Aber er war nie zufrieden mit sich, er experimentierte, er bosselte ständig an der Rolle herum. Dagegen ist an sich nichts zu sagen, im Gegenteil, nur tat er es Improvisierenderweise während der Vorstellung und in einem Ausmaße, das dadurch bisweilen der sprachliche und bewegungsmäßige Aufbau einer Szene bedenklich ins Wanken geriet. Aus einem fortissimo konnte ein pianissimo werden, ein festgelegter Gang wurde plötzlich anders ausgeführt. Selbst Fausts Alter änderte sich. Mal stand er da in jugendlich flammender, fuchsroter Perücke, mal im schneeweißem Greisenhaar. Es liegt auf der Hand, das auf diese Weise ungleiche Leistungen zustande kamen. Neben wahrhaft vollendeten Aufführungen gab es solche, denen, wie mir vorkam, die Achse fehlte, um die es sich dreht. Die Situation war ja völlig klar: hier suchte ein junger Schauspieler genauso seinen Weg wie ich als Maler und auf genauso falsche Weise. Aber nun sage einer einem jungen Menschen in dieser Lage, das er erstens ein Suchender und zweitens auf dem Holzwege sei, besonders wenn dieser eine selbst jung ist und sucht! 

Je unsicherer er sich auf seinem Weg fühlt, umso hartnäckiger wird er behaupten, das es der einzig richtige sei. Da ich nun auch ein Dickkopf war, dem es in erster Linie um den festen Organismus des Ganzen ging, blieben lebhafte Diskussionen nicht aus, wenn dann und wann infolge Mathias tastender Bemühungen um die Rolle die Zentralfigur und die Aufführung somit ganz und gar des Teufels war.

Ich bitte diese Redewendung wörtlich zu verstehen, denn immer dann, wenn unser Faust nicht fand, was er suchte, stand der Teufel allein im Vordergrund des Interesses, der Mephistopheles, den der junge Ernst Ginsberg so verblüffend sicher darstellte. ...........

Es braucht kaum gesagt werden, das ungewöhnliche Kräfte wie Mathias Wieman und Ernst Ginsberg nicht nur durch sich selbst eine Bereicherung darstellten, sondern auch auf das ganze einwirkten und es kräftig voranzutreiben halfen. 

10.01.1924

Mathias Wieman verkörpert, wie aus den Kritiken hervorgeht, die Rollen am besten, deren Rollen er vom Seelischen her aufschlüsseln kann.

Den Tuchhändler Stolzius in Lenz "Soldaten" und der Woyzeck bringen ihm daher auch seine größten Erfolge.

Hagener Zeitung vom 11.01.1924: ..... "Der Mittelpunkt der Aufführung war der Darsteller des Woyzeck, der am anderen Abend die Rolle des Stolzius hatte. Es wird den Zuschauern unvergesslich bleiben, mit welcher Inbrunst und Überzeugungskraft er die Versionen des armen Woyzeck darstellte und wie er die äußerste seelische Anspannung des Stolzius wiedergab, als sein Nebenbuhler über Marie niederträchtige Reden führte" ......

Die Gestaltung des Stolzius in Einzelheiten nachzuzeichnen ist nicht möglich, da die Soldaten nur wenige Male gegeben werden und die Zahl der Kritiken spärlich ist.

eventuell rotes umarbeiten

25.03.1924

mit .................... in .......................

Jenaer Volksblatt vom 26.3.1924: "Da auf dem Theaterzettel die Namen der Mitwirkenden verschwiegen sind, sei wenigstens mitgeteilt, das der Darsteller der Titelrolle dem scheuen und gedrückten Wesen, den Seelennöten des gequälten Woyzeck ergreifenden Ausdruck verlieh. Ausgezeichnet sein irrender Blick, sein fliehender Gang und sein dumpfes, stumpfes Reden. Eine hervorragende Leistung."

Haide-Maria Brandt hierzu: Der Kritiker spricht von dem Eindruck, den der Woyzeck auf ihn gemacht hat, er ist eine gejagte Kreatur, die verängstigt um sich schaut, mit einem Blick, der auf kein bestimmtes Ziel gerichtet ist, der überall die Gefahr lauern sieht. Mit eiligen Schritten, die kaum den Boden zu berühren wagen, geht er über die Bühne. Es ist eine Fotografie erhalten, die Wieman als Woyzeck zeigt. Es handelt sich um eine Profilaufnahme, Einzelheiten des Gesichts sind kaum zu erkennen. Er steht Marie gegenüber in einer ärmlichen Stube und spricht zu ihr, den Körper etwas abgewendet, als sei er im Begriff, schon wieder zu gehen. Sein Kopf ist leicht vorgestreckt, die Schultern eingezogen, die Arme hängen schlaff herab. In der Linken hält er seine Soldatenmütze, die Finger der rechten Hand sind verkrampft.

Außer diesem Szenenfoto ist, laut Haide-Marie Brandt, noch eine Fotografie eines Aquarells erhalten, das Holtorf 1924 von Wieman als Woyzeck malte. Es handelt sich um ein Brustbild, das den Kopf des Woyzeck in der gleichen, leicht vorgestreckten Haltung zeigt wie auf dem erhaltenen Szenenfoto. Sein kurz geschnittenes Haar ist in die Stirn gekämmt, wodurch diese sehr flach erscheint. Große, überwache Augen, die aus den Höhlen herauszuquellen drohen, starren ins Leere. Der Mund ist leicht geöffnet, die Lippen sind breit. Die Gesichtszüge sind von Ratlosigkeit und Rastlosigkeit geprägt. Der Kopf drängt fast aus dem Bild heraus, auf ein unbestimmtes Ziel zu. Dieses Gesicht gehört zu dem fliehenden Gang, den der Kritiker des Jenaer Volksblattes hervorhebt.   

29.04.1924

Aufführung des Woyzeck in .........

Neue Leipziger Zeitung vom 30.04.1924: "..... qualvolles Stummsein, zermürbende Dehnung, flatternde Gesten ...." werden als weitere Ausdrucksmittel, für die Darstellung des Woyzeck durch Mathias Wieman, erwähnt. 

30.04.1924

Ende der Tourneen der Holtorf Truppe der Spielzeit 1923/24  (67)

Die in der Spielzeit 1923/24 vorgesehene Aufführung des Hamlet, Mathias Wieman sollte die Titelrolle erhalten, musste abgesetzt werden. Sie war bereits im Programm der Truppe als "in Vorbereitung" ausgeruckt. Die Regie war vorbereitet, die Kostüme entworfen und sogar bereits gefertigt. 

Bei fortschreitenden  Proben stellte sich jedoch heraus, das zwar alle wichtigen Rollen in diesem personenreichen Stück, mit den als Stamm vorhandenen Mitgliedern der Truppe sich qualitativ gut besetzen ließen, bei der Besetzung einiger kleinerer Rollen gelang dies nicht ganz. In Holtorfs Augen bedeutete dies eine derartig schwerwiegende Gefährdung der künstlerischen Einheit der Inszenierung, das er lieber einen finanzielle Einbusse hinnahm und die Proben abbrach und das Stück absetzte. (67) 

Hierüber war Wieman offensichtlich so verärgert, das er sich von der Holtorf-Truppe trennte.

Wieman selber dazu: ...." .... und erst einige Zeit später, als ich aus Ärger darüber, das sich mein brennender Wunsch, den Hamlet zu spielen, nicht erfüllte, von der Truppe schied, erinnerte ich mich an diese Aufforderung und suchte das Deutsche Theater auf. Ich sprach zwei Rollen vor - den Moritz Stiefel und den Woyzeck, und wurde sofort engagiert. (20)

00.00.19xx

Die "Woyzeck" Aufführung hatte einen weiteren Erfolg. Wieman erhielt einen Brief des Deutschen Theaters, in dem er gebeten wurde sich doch einmal vorzustellen.

Wieman steckte das Schreiben ein und reagierte erst später.  Aus Ärger darüber, dass man seinem brennenden Wunsch den Hamlet zu spielen nicht nachkam, schied er von der Truppe, erinnerte sich an die Aufforderung und suchte das Deutsche Theater auf.

Er trug dort 2 Rollen vor, den Moritz Stiefel und den Woyzeck, und wurde sofort engagiert. (20)

Im ganzen betrachtet gehört Wieman zu den wichtigsten Schauspielern der Truppe, wenn er auch ihren Stil nicht immer trifft und zuweilen den Rahmen des Ensembles überschreitet. (68)

Und Holtorf führt aus: "Eine Kraft wie Mathias Wieman bedeutet natürlich einen außerordentlichen Zuwachs für die Truppe." und des weiteren stellt er fest, das Schauspieler wie Wieman und Ginsberg einmal durch ihre Person, dann aber auch durch ihre Wirkung auf andere Truppenmitglieder von großer Bedeutung für die Qualität des Ensembles sind. (70)                                    

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Stand: 18. February 2006