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Biografie  des Schauspielers und Rezitators 

Mathias Wieman

6. Teil

(1945 - 1950)

in Verbindung mit dem Zeitgeschehen

rot geschriebenes = weitere Recherche wegen Unklarheit

 
13.05.1945

An diesem Sonntag findet im Gefangenenlager um 16:00 Uhr unten am See eine "Feierstunde" statt. Von den 10.000 bis 12.000 die im Lager sein sollen, kommen etwa 100 Landser zu der von Wieman angebotenen Veranstaltung.

Hermann Wagner beschreibt dies so: 

»Keine Begrüßung, keine Förmlichkeit. Alle Blicke sind ihm zugewandt, wie er die Szene, die sich ihm bietet, zu erfassen sucht. Sie ist ihm offenbar so ungewohnt wie uns, denn sein Gesicht ist gesammelt und lässt die Konzentration ahnen, die notwendig ist, nicht nur vor der Kamera in Neubabelsberg oder auf den Bühnen der großen Theater zu bestehen, sondern auch vor uns, den Geschlagenen, den Ausgedörrten, die nun nach Jahren danach lechzen, etwas außerordentliches zu erleben.«

Mathias Wieman beginnt mit einem Gedicht von Simon Dach und bringt den in atemloser Stille verharrenden Gefangenen weitere Werke aus dem Barock zu Gehör. Er spricht Verse von Andreas Gryphius, Angelus Silesius, Friedrich v. Logau und vielen anderen, aus einem kleinen Gedichtband, das er in den Händen hält. Ebenfalls trägt er auch Texte deutscher Volkslieder vor und schließt mit Paul Gerhardts "Sommerlied".  

»Da ist es ganz still, noch stiller als in der vergangenen Stunde. Mathias Wieman überblickt seine Zuhörer und sagt: "Damit ist unser gemeinsamer Anfang gemacht. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Rückweg in die Unterkünfte."«

14.05.1945

Hermann Wagner trifft auf Mathias Wieman. Er erzählt Wagner, das er in Berlin ausgebombt wurde und auf abenteuerliche Weise noch herausgekommen ist und sich dann mit seiner Frau auf die Flucht nach Norden begeben hat, im Koffer die letzten Habseligkeiten. Ganz in der Nähe, an der Straße nach Wismar haben beide bei einem Bauern ein notdürftiges unterkommen gefunden. Nun sei er entschlossen, solange wie möglich, mit den Soldaten zusammenzubleiben. Da ergäben sich in dieser fürchterlichen Zeit die besten Möglichkeiten für kulturelle Arbeit und menschliche Hilfe. Mit dieser Aktion waren nicht nur die deutschen Offiziere sondern auch der amerikanische Lagerkommandant einverstanden. Dazu brauche er die Hilfe vieler Gleichgesinnter. 

17.05.1945

Mathias Wieman und Hermann Wagner fahren mit einem Jeep, in Begleitung von 2 amerikanischen Soldaten, nach Schwerin um Noten und Bücher zu besorgen. Und werden beim Domorganisten fündig.

Auf dem Rückweg machen sie einen Abstecher nach Wismar und organisieren auf einem Bauernhof bei Wismar einen Sack Kartoffeln, den Wieman im nächsten Dorf, in dem Haus wo er mit seiner Frau untergekommen ist, abstellt.

18.05.1945

Mathias Wieman schleppt den größten Teil der gestern besorgten Kartoffeln ins Lager und verteilt sie an diejenigen, die sich dazu bereit erklärt haben mit ihm zusammen zu arbeiten.

20.05.1945

Am Pfingstsonntag nachmittags liest Mathias Wieman aus Goethes "Faust". 

Hermann Wagner: »Mir kommen Äußerungen von Wieman in den Sinn, das in dieser Zeit nichts wichtiger sei, als nach dem Gültigen, nach dem Ewigen zu forschen und es womöglich für uns weit herzuholen und auch vor kühnen Plänen nicht zurückzuschrecken, wenn es darum geht, Millionen von geschlagenen wieder geistige Nahrung zu geben. Nun stürzt er sich also als erster in ein, wie es mir scheint, tollkühnes Unternehmen, indem er allein Szenen aus "Faust" lesen wird. Kompromisslos, wie er ist, tut er es, um uns ein Beispiel zu geben und um Maßstäbe zu setzen, Maßstäbe, die bleibenden Wert bekommen sollten.«

Er beschreibt den Auftritt wie folgt: 

»Die großen Lagerhallen stehen parallel zueinander. Jede hat an jeder Seite eine Verladerampe mit Gleisanschluss. Der Platz zwischen je 2 Hallen ist gepflastert. Und hier auf einem solchen Platz findet heute am Pfingstsonntagnachmittag die "Faust"-Lesung statt. Als einziges Requisit ist ein von Pionieren roh gezimmertes Lesepult auf einer der Rampen zu erkennen. Als weitere Besonderheit stehen einige Stühle davor, aber sie sind nicht für uns, sondern für den amerikanischen Lagerkommandanten, Major Baum, und seinem Stab. Ansonsten gibt es nur Stehplätze. Wer da nicht durchhalten wird, hockt sich auf den Steinboden. Der Platz füllt sich rasch. Nach kurzer Zeit haben sich Hunderte von Landsern eingefunden. Als letztes kommen die Amis, und dann dauert es noch ein paar Minuten. bis M.W. erscheint. Er hat sich uns weitgehend angeglichen, denn er trägt nun eine schwarze Panzerbluse, um auch damit zu zeigen, wie sehr er zu uns gehört. An seiner Seite geht, klein und zierlich, seine Frau. Er verschafft ihr Platz auf einem bereitgestellten Stuhl und geht dann mit schlaksigen Schritten an das Ende der Rampe, steigt die Stufen hinauf und erreicht unter Beifall aller Anwesenden das Lesepult. Dann tritt völlige Stille ein. Die Spannung ist aufs äußerste gestiegen.  

Nach der Lesung am See war nun gewiss noch Außerordentliches zu erwarten, aber ob das heutige Wagnis glücken würde schien mir fraglich. Allerdings: Ein Urteil konnte ich mir kaum erlauben, denn ich hatte Goethes Werk bisher im Theater nicht erlebt ........... «

»M.W. beginnt, nachdem er wieder mit den Beinen festen Stand gesucht hat und, den Brustkorb mächtig hebend, Luft geholt hat. Merkwürdig, dass mich hier bei dem größten Erlebnis, das ich durch ihn hatte, meine Erinnerung fast gänzlich in Stich lässt, während anderes, Geringeres bewahrt wurde. Ich weiß nur noch, das Ungeheuerliches auf mich niederging. Die Gewalt der Sprache hob mich wie mit einer Riesenfaust bald in den siebten Himmel und schleuderte mich dann wieder auf diese schnöde Erde zurück. Der Gegensatz zwischen Faust = Himmel und Mephisto = Hölle wurde erbarmungslos deutlich. Und der Gegensatz zwischen der großen Dichtung und dem öden Grau der Landser auf grauen Pflastersteinen zwischen hohen grauen Mauern tat ein übriges, mich vollständig zu überwältigen und gänzlich zu verwirren. Und immer die Stimme von der Rampe herab: Eine unendliche Skala vom Donnergetöse bis zu letzter Zartheit des Klanges, hervorgebracht durch eine psychische und physische Leistung, getragen von einem heiligen Feuer innerer Leidenschaft, wie sie ihresgleichen suchen.

Ich habe elf Jahre später die ungeheure Faszination erlebt, die von Carl Orffs berühmt gewordenem Einmanntheater ausging, das dieser begnadete Komödiant entfesseln konnte. Hier im "Lager Weiß" vor uns, den ärmsten Hunden, war es beispielhaft vorausgenommen.

Der letzte der ausgewählten Szenen ist gesprochen. Erst atemlose Stille, dann löst sich die ungeheure Spannung und dann setzt, zuerst zaghaft, dann immer stärker, brausender Beifall ein. M.W. verneigt sich sichtlich erschöpft und verlässt die Rampe. Er sucht seine Frau und nimmt sie in den Arm, sicher im Bewusstsein, auch für ihr gemeinsames Leben einen neuen Anfang gemacht zu haben.

Der amerikanische Kommandant - deutscher Herkunft, hat, wie zu hören ist, in Deutschland studiert - verneigte sich vor M.W. und seiner Frau und bringt erschüttert seinen Dank zum Ausdruck. Weitere Ovationen kann M.W. beim besten Willen nicht entgegennehmen, denn er hat sich völlig verausgabt und leidet ja den gleichen Hunger wie wir. So sieht er  zu, dass er möglichst ungeschoren davonkommt, weg von allem, weg aus dem Lager und hin zu seinem Notquartier beim Bauern. Es wäre ja auch jedes Wort zu viel. Hier ist alles erschütternder gesagt, als man es fassen kann. Pfingsten 45: Faust, der Himmel, der allen offen steht, die guten Willens sind, - Mephisto, die Hölle, durch die wir gegangen sind. Heute hat der Geist über die Materie gesiegt.«

soweit Hermann Wagner in seinem Buch "Das Jahr danach - 1945-46"

23.05.1945

Abmarsch nach Göris (in Mecklenburg), wo es mit dem Güterzug weiter geht bis Neustadt in Holstein. Abmarsch in das Sperrgebiet für Kriegsgefangene, das die Engländer dadurch schaffen, das sie Ostholstein von der Kieler Förde quer durch das Land bis Neustadt abriegeln und alle Gefangenen hierher verfrachten. Für Hermann Wagner: Erstes Zwischenziel: Bliesdorf - über Merkendorf, Grömitz, Cismar, Grube, Sulsdorf, Fargemiel, Neukirchen.

Mathias Wieman und Frau kommen in der Ortschaft Neuratjensdorf unter. Sie leben in einem ausgeschlachteten Funkanhänger, den ihm der amerikanische Kommandant des "Lagers Weiß" überlassen hat.

30.05.1945

Hermann Wagner begibt sich nach Neuratjensdorf um dort auf Mathias Wieman zu treffen. Die Begrüßung durch Mathias Wieman und seine Frau ist recht herzlich.

02.06.1945 Mathias Wieman übergibt Hermann Wagner Liederbücher, die er für ihn aufbewahrt hatte. 
03.06.1945

Hermann Wagner berichtet: »M.W. ist noch nicht so viel unterwegs wie später, wo er jeden Tag mehre Lesungen zu bestehen hatte. So wird es Brauch, das sich abends alles vor seiner Behausung versammelt, was sich ihm zugehörig fühlt.«  ........ »Der Kreis derer, die sich an Diskussionen über uns alle bewegenden Themen oder auch heiteren Gesprächen beteiligen, ist ...... sehr groß. Ist schlechtes Wetter, versammelten sich die, die rechtzeitig da sind in der Behausung. Nicht zu glauben, wie viele der alte ausgeschlachtete Funkwagen zu fassen vermag. Dicht an dicht sitzen, hocken und stehen wir, während der Regen auf das Dach prasselt. ...... - Nicht einmal habe ich erlebt, das Frau Wieman zusammengeballte Männlichkeit zu viel war; nicht einmal das sich M.W. diesen dauernd anbrandenden Besucherstrom verbeten hätte. Mit gleichbleibender Zuneigung ist er für jeden von uns da. Und keiner ist, der diese Zuneigung nicht tagtäglich erwidert.«

06.06.1945 Eine Gruppe von Landsern hat ein Hans Sachs Stück "Das Kälberbrüten" einstudiert und bringt es im Freien zur Aufführung. M.W. sitzt im Publikum und schlägt sich die Schenkel vor Vergnügen.
24.06.1945

M.W. hat von irgendwoher die Blätter von Ernst Jünger "Der Friede" bekommen.  Einige abgegriffene schmierige Blättern mit abgezogenem Text , der nur noch schwer zu lesen ist, weil das ganze schon durch unzählige Hände gegangen ist. M.W. wacht eifersüchtig darüber, das möglichst viele sie erhalten, keiner sie aber länger behält, als unbedingt notwendig. 

Er weiß zu berichten, das die Schrift bereits 1941 entworfen und etwa 1943 in Abschriften und Abzügen verbreitet gewesen sei, ehe Jünger deshalb 1944 aus der Wehrmacht entlassen wurde.

26.06.1945 Mathias Wieman und seine Frau können nicht länger in dem Wagen wohnen bleiben. Die Gelegenheit ist günstig: Sie werden schon bald Stube und Küche irgendwo unterm Dach in Heiligenhafen beziehen können.  
28.06.1945 Nachdem es sich rumgesprochen hat, auch in den Nachbardörfer - das Mathias Wieman seinen Abschied in Neuratjensdorf gibt - füllt sich gegen 16:00 die Dorfstraße. »Sie stehen dicht an dicht und begrüßen M.W. bei seinem Erscheinen mit brausenden Beifall. Er dankt immer wieder und strebt dabei einer großen Kiste zu, die als Podium dienen soll.« ....... »Indessen hat die Erwartung ihren Höhepunkt erreicht. M.W. hat die Kiste bestiegen und beginnt nach kurzer Begrüßung zu lesen: nein - großenteils auswendig zu sprechen. Er muss in letzter Zeit zahlreiche Bücher geliehen oder geschenkt bekommen haben, denn so viele hatte er noch nie bei sich. Das Programm ist dementsprechend umfangreich und vielfältig. Es reicht von  «

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06.06.1945 »«
06.06.1945 »«
xx.xx.1945 Wieman las im Kreis Plön u.a. 

in der Halle des Herrenhauses Lammershagen

in der Reithalle des Gutes Kletkamp

im Selenter Hof in Selent

in der Kirchen zu Blekendorf

in der Kirche zu Lütjenburg - (104)

 

00.06.1945

Hör Zu vom 07.02.1954:

»Kurz nach dem Kriege ist der Künstler im Lager, im "Kraal" der Halbinsel Wagrien, als freiwillig Gefangener von einem Soldaten zum anderen gegangen. Hat ihnen zugeredet. Hat ihnen Mut gemacht. Hat mit des Dichters Wort verkündet, das es immer an der Zeit sei, neu zu beginnen, einen neuen Anfang zu suchen. An diesem Beispiel erfüllt sich ein Wort des Philosophen Martin Buber: "Wo die Sprache, und sei es noch so scheu, wieder von Lager zu Lager sich vernehmen lässt, ist der Krieg in Frage gestellt"«

00.00.1945

Nach der Kapitulation unternimmt Wieman Lesungen in Kriegsgefangenen- und Flüchtlingslagern.

Dort liest er oft Hemingways "Der alte Mann und das Meer" und rezitiert Goethe und Hölderlin. (62)

Salzburger Nachrichten vom 22.07.1962:

»Seine Rezitationsabende kurz nach dem Kriege in den zerbombten Städten, an denen Goethe, Hölderlin und Claudius sprach bedeuteten für viele ein Licht an dem sich die Verwirrung wieder aufrichten konnte.«

Wieman ist in Heiligenhafen und schreibt an Will Quadflieg, der sich in Lübeck befand und fragt ihn ob er zusammen mit ihm im Kriegsgefangenen - Kral in der englischen Besatzungszone rezitieren wolle. Quadflieg sagt zu. Wieman spricht Texte von Wilhelm Raabe, - Quadflieg u.a. Hölderlin. Das Honorar ist ein Teller Wassersuppe. (12 - Seite 136-138)

00.09.1945

»Zur Gruppe Wieman (im "Kral") gehörte auch der Obergefreite und spätere Schriftsteller Fritz Grasshoff. Er hatte in Heiligenhafen eine Reihe von Gedichten verfasst, die er erst als "Kraalgedichte", dann als "Zelt und Barackenverse zusammenstellte. Wieman trug bei seinen Lesungen im Speergebiet regelmäßig daraus vor.

Im September begann Grasshoff auf Anregung Wiemans mit seiner Arbeit am "Heilighafener Sternsingerspiel", ein in Reimen gefasstes Krippenspiel für Erwachsene, das die Ereignisse der Geburt Christi in die Zeit nach dem verlorenen Krieg, 1945, verlegte, und das von der Wieman-Gruppe im Kralgebiet aufgeführt werden sollte.«  (104)

03.09.1945

Wieman spricht in Hamburg, im Volksheim Eppendorf, Goethe.

in der Presse las man hierzu folgendes:

»Den Hamburgern von Film, Bühne und Vortragspult her bekannt, trat Mathias Wieman am Montag im Volksheim Eppendorf erneut vor den Kreis seiner Hamburger Verehrer. Er trug ihnen diesmal die beiden gewaltigen Partien des Goetheschen Faust vor: die ersten, in der Osternacht spielenden Szenen der Studierstube und die letzten Szenen, von der Erblindung Fausts bis zum Schluss der Tragödie. Entgegen seiner Ankündigung las Wieman nicht, sondern sprach frei aus dem Gedächtnis, zunächst vergleichsweise entrückt, als handelte es sich um eine tiefsinnige Paraphrase über den Faust. Bald jedoch steigerte er sich bis zum echten Pathos der Unmittelbarkeit und des inbrünstigen Erlebens - verließ diese Gestaltungsform, kehrte jedoch immer wieder zu ihr zurück. Wieman verzichtet auf bravouröse Mittel. Er kann es, weil er vielen seines Faches etwas sehr Wesentliches voraus hat, die tiefe Durchdrungenheit, auf geweihtem Boden zu wandeln, wo er die Bezirke der Kunst betritt. Und er will immer Kunst, ob es sich nun um das Sprechen, Spielen oder Filmen handelt. Will es mit dem Eifer der Konzessionslosigkeit.«

R.D. (aus: Neue Hamburger Presse vom 5.9.1945)

05.09.1945

Axel Eggebrecht macht beim NWDR dem heutigen NDR seine erste Rundfunksendung mit dem Titel "Über Segen und Unheil der deutschen Träumerei" hierzu diskutiert er mit Mathias Wieman. 

In einem Interview mit Axel Eggebrecht befragt ihn Klaas Jarchow hierzu:

Jarchow: "Ich habe in den Archiven des jetzigen NDR ihre erste Sendung .... gefunden."

Eggebrecht: "Da will ich Ihnen gleich ein Bild geben, wie das zustande kam. Wir befinden uns jetzt Ende August, ich sitze in meinem Büro, es klopft, und der Wieman kommt herein und sagt: Eggebrecht, können Sie mir helfen? Ich bin von den Engländern als Nazischauspieler verboten und darf nichts mehr machen.  

Ich habe ihm einen Vorschlag gemacht: Wieman, wir setzen uns jetzt vor ein Mikrofon, und ich werde sie hart und böse fragen, wie kamen Sie dazu, Gedichtabende für die "Hitler Jugend" zu veranstalten, da glaubt doch heute jeder, Sie müssen in der Partei irgendwie Beziehungen gehabt haben. Und so habe ich ihn befragt und er hat mit schöner Offenheit alles zugegeben. Und dann habe ich den Engländern das Band vorgespielt, als ein Musterfall sinnvoller Entnazifizierung. Er durfte wieder arbeiten und ist dann der große Sprecher und Schauspieler gewesen. (61)

Anne Christiansen führt zu diesem Interview folgendes aus:

Das Eggebrecht sich als politische und moralische Leitfigur sieht, wird noch deutlicher an einem anderen Beitrag. Ein Interview mit dem ehemaligen Staatsschauspieler Mathias Wieman ....., dauerte 15 Minuten und wurde - wie man am Rascheln der Manuskriptblätter hören kann - nicht live formuliert, sondern vorher geschrieben. Eggebrecht befragt Wieman zu dessen Vergangenheit im Dritten Reich und seinen Vorstellungen über den moralischen und politischen Neuanfang. Die Konfrontation Wiemans mit Eggebrecht ist besonders deshalb interessant, weil ja auch Eggebrecht im nationalsozialistischen Kulturbetrieb aktiv gewesen war und viele seiner Vorwürfe auch ihn selbst treffen. Explizit wird Eggebrechts Betroffenheit allerdings nur an einer Stelle: "Wir waren zu sehr an blinde Ehrfurcht gewöhnt, "sagte er da,

" ... ohne Kritik, ohne Verantwortung. .... Nicht wir deutschen Träumer haben etwas gerettet, sondern reale Mächte."

Im übrigen sind der Fragende und der Befragte keinesfalls gleichgestellt. Das Interview gleicht eher einem Verhör, in dem Eggebrecht die Rolle des Anklägers inne hat und Wieman sich verteidigen muss. Eggebrecht Interviewstil ist offensiv und aggressiv. Er fragt suggestiv, gibt Wieman teilweise Antworten vor oder stellt sie nach seiner eigenen Auffassung nachträglich richtig.  Er steuert das Gespräch einseitig mit dem Ziel, die politische Dimension künstlerischer Arbeit herauszustellen.

Beispiele für Eggebrechts Diktion sind auch folgende Passagen:

 

M.W.:" ... Ich glaube, das ist eine schöne und menschliche Pflicht." A.E.: "Das ist noch mehr, das ist eine politische Aufgabe."

M.W.: "Ist das mehr? Ein Schauspieler ist kein politischer Mensch."

A.E.: "Haben Sie immer so gedacht, Wieman?"

 

A.E.: "Das meine, ich genau das. Sehen Sie zum Beispiel ihr "Schatzkästlein, Sonntagsvormittags am Rundfunk ..."

M.W.: " ... ja das sollte ein Trost, eine Aufrichtung sein ..."

A.E.: " ... ja und was war s? Eine Irreführung."

 

M.W.: über die von Wieman gestalteten Feierstunden bei der HJ: " ... was haben sie damit erreicht, ich meine konkret erreicht, politisch erreicht? Nichts,  lieber Wieman!" (65)

 

Text dieses Interviews recherchieren - NDR nachfragen - liegt nun (als Tonkopie) vor und muss noch eingearbeitet werden

26.09.1945

Die US-Militärregierung erlässt ein Entnazifizierungsgesetz

am 26.6.1990 in der Funkserie des WDR "Zeitzeichen" wird an den 26.09.1945 erinnert - hier wird der O-Ton des Publizisten Axel Eggebrecht über den Fall des Schauspielers Mathias Wieman abgespielt 

und ebenfalls ein O-Ton von Franz Schonauer über das Buch "Der Fragebogen" von Ernst von Salomon 

(hierzu noch recherchieren ob auch was von Wieman enthalten) 

(WDR Doku 13)

02.12.1945

 

Am ersten Advent erfolgt die Uraufführung des "Heilighafener Sternsingerspiel" von Fritz Grasshoff - der dies im Herbst   des Jahres 1945 geschrieben hatte - im Ort Schönwalde.

Mathias Wieman spielt Caspar einen der heiligen 3 Könige. 

02.12.1945

bis

06.01.1946

Es folgen weitere 47 Aufführungen (vom 1. Advent bis zum hl. Dreikönigstag) unter der Leitung von Mathias Wieman in Kirchen, Sälen und Scheunen im ganzen Speergebiet, kaum eine Dorf wurde ausgelassen, in größeren Dörfern und in den Städten wird z.T. sogar mehrmals gespielt. 

In dem am weitesten nach Westen gelegenen Kralbereich, dem des Abschnittskommandos VI., sollte das Weihnachtsspiel - wohl wegen der für damalige Verhältnisse großen Entfernung von Heiligenhafen - eigentlich nicht aufgeführt werden.

Der Oberleutnant Hanns Joachim Paris, der Wieman von seiner Deutschland-Senderzeit her kannte, konnte ihn jedoch bewegen, auch im nördlichen Kreis Plön zu spielen.

Es gab Aufführungen in den Reithallen der Güter Kletkamp und Waterneverstorf -

in  Lütjenburg 

und u.a. in der Gastwirtschaft Kay (jetzt Wohngebäude, Dorfstraße 10) in Hohenfelde.  (104)

 
xx.xx.xxxx Film Revue Ausgabe 2 -1957:
»Aber daneben hatte eine andere Betätigung angefangen, mir zuzuwachsen, noch im Kriege, dann in den Gefangenenlagern und in den Trümmer und Hungerstädten: das Aufsagen von Märchen, Gedichten, Geschichten, das Singen und Sagen über den Funk oder in Sälen.
So fuhr ich erst in vollgestopften verdunkelten Zügen, in klapprigen Holzgaswagen durchs Land, oft stand ich mit dem nicht leichten Koffer in dem der blaue Anzug, schwarze Schuhe, die weißen Hemden für 3 Wochen Vortragsabende waren, auf dem Bahnsteig unter den viel zu vielen Passagieren, die alle auch mitkommen wollten, und wusste nur: Ich muss mit und der Koffer auch! 
Dann gelang es tatsächlich - ein Mensch braucht ja nicht viel Platz, doch das, was er mit sich schleppt ...
«

reist im Süddeutschen Raum als Rezitator umher (4)

wohnt in Stuttgart ?????? wann und wo???

Stuttgart - Stälinweg 15

aus Bühnenjahrbuch 1948 - gilt für rückwirkende Zeit - eventuell 1947 ???

dto. Bühnenjahrbuch event. auch Bühnenjahrbuch 45, 46 ,47

 

Nach dem 2. Weltkrieg zum Ensemble des Staatstheaters Stuttgart gehörend, 
 

29.05.1946

Hermann Wagner besucht mit seiner ..... ?? Mathias und Erika Wieman und beschreibt dies so :

 

»«

??.12.1946

Mathias Wieman liest in der Stadt Göttingen

W.G. in den Hannoverschen Neusten Nachrichten vom 21.12.1946: 

»In dem großen, bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Studentenhauses trug Mathias Wieman an zwei Abenden Gedichte, Märchen und Szenen aus dem Faust vor. Schwer zu sagen, welchem Abend man den Vorzug geben soll, den beide wurden sie zum unvergesslichen Ereignis. Wieman las aus Goethes dramatischen Weltgedicht, in einer Vision von schreckhafter Größe sah man Faust, einem Dämon gleich, über die weiten Flächen des Lebens ruhelos auf und nieder schweifen. Dann erzählte Wieman wieder ein schlichtes Märchen, und schon nach wenigen Sätzen hatte er seine Zuhörer in einem unzerreißbaren Zauber eingesponnen. In beiden Fällen gelang ihm das Höchste was ein Rezitator zu erreichen vermag: Man sah, was er sprach.«

??.12.1946

Mathias Wieman liest ein weiteres Mal in der Stadt Göttingen

in den Hannoverschen Presse vom 24.12.1946: 

»Zum zweiten Male besuchte der Schauspieler Mathias Wieman Göttingen und erweiterte und vertiefte an zwei Abenden das Bild, das von ihm in uns lebendig ist.
Die Linie seiner Märchen- und Gedichtlesung "Aus tiefen Quellen" wurde fortgesetzt in einer zweiten Folge, die von dem selben Novalis-Motto umrahmt wie die erste, gleich dieser in eine in weitem Sinne "romantische" Gefühlswelt hinabstieg. Hier lebt das eigentliche des Rezitators Wieman, der die irrationale Tiefe und den Spannungsreichtum vom Märchen über das lyrische Gedicht bis zur Ballade in einer unvergesslichen Synthese von Naivität und Bewusstheit umfasst.

Er ist der geborene Märchenerzähler, der die Welt der Brüder Grimm ebenso zu gestalten vermag, wie die viel bewusstere und ironische funkelnde des Dänen Andersen. Durch eine Erzählung von Selma Lagerlöf und C.F. Meyers Ballade "Der gleitende Purpur" wurde der Abend zugleich eine vorweihnachtliche Feierstunde seltener Art.

Von einer anderen und erregend neuen Seite lernten wir Wieman kennen durch seine Lesung aus Goethes Faust. Er brachte den Anfang und das Ende der großen Menschheitstragödie, das wesentliche darin so gleichsam bekenntnishaft zusammenschließend. Hier herrschte und formte im Wort der große Schauspieler Wieman, der die Fülle der Gesichte und Gestalten in einer überlegen geformten Stufenfolge bannender Charakterisierungskunst zu unmittelbarem Leben erweckte. In der erreichten Suggestion der Szene lebte ein lapidarer künstlerischer Wille, der den Sinn dieser Weltdichtung dem Kenner wie dem Nichtkenner in gleicher Weise erschließt. In diesem durchgestalteten Kosmos nimmt Wiemans eigener Faust die Härte seiner Konturen sehr vom Holzschnittcharakter des alten Volksbuchs und lebt im übrigen mehr aus Sturm und Drang des jungen Goethe als aus klassischem Weltgefühl.

Eta Wieckops Klavierspiel führte die Spannungen des ersten Teils sinnvoll hinüber in die Erlösungen des zweiten.«

31.03.1947

Als Faust in Goethes "Faust I." im Württembergischen Staatstheater Stuttgart  unter der Regie von Paul Riedy - Bühnenbild und Kostüme Max Fritsche.

In DER SPIEGEL 14 vom 03.04.1947 war zu lesen: 

»Der Stuttgarter Schauspieldirektor Karl H. Ruppel, vormals namhafter Theater- und Musikrezensent der "Kölnischen Zeitung", hat es verstanden, aus der Konkursmasse der Berliner Bühne ein paar wertbeständige Namen für die schwäbische Provinz zu retten: Hermine Körner, Gisela Uhlen, Elisabeth Flickenschildt, Albert Florath, Karl John sind darunter. Und jetzt auch Mathias Wieman.

Karl H. Ruppel hat den Sirenengesängen der Düsseldorfer Bühnen, die von klingenden materiellen Verlockungen begleitet waren, widerstanden und ist mit seiner Crew Stuttgart treu geblieben, so dass interzonale Kulturabwanderung unterblieb.

Er tat noch eins mehr: Er setzte den "Faust" mit Mathias Wieman auf den Spielplan.

Gleich beim Prolog im Himmel - "Kennst du den Faust?" - hatte man den Eindruck: Das sind keine Goetheschen Erzengel - wenn es auch die Sprache glauben machen wollte. Brav und symmetrisch aufgestellt standen sie da mit gefalteten Händchen, als ob sie aus Humperdincks lieber Oper "Hansel und Gretel übernommen wären.

Unter ihnen im Staub ringelte sich Paul Hoffmann, aber nicht Mephisto. Das war ein derber, rüpelhafter Teufel aus einem Fastnachtsspiel, der vier Stunden lang Späßchen und Mätzchen machte. Man nahm es dem Dr. Faust fast übel, daß er auf diesen Kerl hereinfiel.

Das Publikum war klüger. Es wußte nicht recht, wem es darob böse sein sollte: dem Regisseur, der solches zuließ, oder dem sonst so begabten und eleganten Darsteller, der einen so kleinbürgerlichen Teufel spielte. 

Es zeigte sich wieder: Wieman ist ein begnadeter Sprecher. Der Zuhörer erwischte sich oft dabei, daß er (der Zuhörer!) sich dem ästhetischen Reiz dieser Stimme hingab, ohne auf die Worte zu achten. 

Mathias Wieman bediente sich nur der vornehmsten darstellerischen Mittel. Er zog sich in seine Rolle zurück und verteidigte sie gegen die laute Verdeutlichung, die sich um ihn herum manifestierte. Er streifte auch die ihm wohl von der Regie auferlegten Äußerlichkeiten ab, die im Eingangsmonolog zunächst etwas befremdeten: Denn da saß kein verzweifelter Selbstmordkandidat am Tisch, sondern ein recht vitaler Mann, der schon beim Wörtchen "Ach!" wohl wiemänisch zaghaft, aber immerhin mit der geballten Faust auf den Tisch schlug und zum Monolog kraftraubende Spaziergänge durch das Studierzimmer unternahm. 

Gabriele Reismüller spielte das Gretchen, das im Aeußeren vielleicht etwas zu bajuwarisch derb war, aber sich schließlich an Wieman entzündete und vergaß, daß der Bühnenbildner Max Fritzsche ihr höchst zeitgemäß zumutete, in einem Schilderhäuschen zu wohnen, an dem gemessen später der Kerker eine komfortable Behausung war. Das Publikum hatte im allgemeinen den Eindruck, das Goethes "Faust" besser ist als Riedys "Faust". Es empfand es als ein Glück, daß Mathias Wieman ihm das beweisen konnte.«

in Stuttgarter Zeitung vom 02.04.1947: 

»Mathias Wieman als Faust war innig versonnen, ein Gelehrter, kein Himmelsstürmer, mehr kontemplativ als aktiv, wohl unter dem Einfluss der Regie, die ja dafür ihre besonderen Gründe aufbringt. Die Zurückhaltung ging freilich zuweilen in eine Kühle über, die man erst dem späteren Faust im zweiten Teil, zubilligen möchte. Vielleicht wurde Wiemans herbe ostpreußische Natur hier im Süden stärker empfunden, besonders neben der Wärme ausstrahlenden, impulsiven süddeutschen Art von Gabriele Reismüllers Gretchen.«

in Stuttgarter Zeitung vom 05.12.1969 rückblickend: 

».... einen grüblerisch leidenden Nachkriegsfaust.«

 

prüfen ob der zweite Teil, vom Regisseur geplant auch umgesetzt wurde und ob mit Wieman

Was man nicht vergessen sollte: Theateraufführung in einer Zeit, wo an 5 Tagen die amerikanischen Besatzungsmächte das Haus als Kino benutzten und nur an den restlich verbleibenden 2 Tagen Theater gespielt werden durfte - im ungeheizten Haus.

April 1947

Mathias Wieman liest beim WDR Ausschnitte aus Goethes "Faust I. und II." - Dauer: 26 Minuten 15 Sekunden -

Frühjahr

1947

Rudolf Fernau schreibt in seinem Buch " Als Lied begann´s": »Schrilles Sturmläuten der Flurklingel, in der Türfüllung die weißhaarige Mähne des großen Werner Kraus mit Mathias Wieman zur Seite. .......« (Seite 257)

Kraus war seit Herbst 1946 in Stuttgart bei Verwandten eingezogen um sein Spruchkammerverfahren abzuwarten - dem Text zufolge besuchten er und Wieman Rudolf Fernau in Stuttgart. Recherchieren bei Kraus - denn weiter auf Seite 259 ist zu lesen: ..... 9. Mai 1947: Spruchkammerverfahren Werner Krauss .......als wir ihn auf seinem schweren Gang begleiteten 

(sind wir Wieman und Fernau?)

09.05.1947

Die Spruchkammer 11 in Stuttgart beschäftigte sich mit der Entnazifizierung des Schauspielers Werner Krauß. Sie entlastete den Schauspieler. 

Die Militärregierung hat jedoch dann das Urteil aufgehoben. Der Kassationshof soll sich noch einmal mit dem Fall beschäftigen.

Mathias Wieman, Albert Florath, Gisela Uhlen und Ruth Hellberg traten vor der Spruchkammer als Entlastungszeugen für Werner Krauß auf.

im Der Spiegel 28 vom 12.07.1947 war zu lesen: 

»Die Münchner "Neue Zeitung" nannte Krauß in ihrem Kommentar einen der unentwegtesten Partisanen Hitlers. Die "Weltbühne" griff die Charakteristik auf und attackierte Kammer und Gesamtkammern einschließlich der auftretenden Entlastungszeugen Mathias Wieman, Albert Florath, Gisela Uhlen, Ruth Hellberg.«

10.12.1947

Mathias Wieman liest beim WDR Gedichte von Goethe - "Eins und alles" - "Vermächtnis " - "Urworte orphisch" - "Bei Betrachtung von Schillers Schädel" - "Symbolum"Dauer: 15 Minuten 15 Sekunden -

 
xx.xx.1948 in Stuttgarter Zeitung vom 05.12.1969 rückblickend steht Faust sei in 1948 in Stuttgart gespielt worden - prüfen
sieht man Mathias Wieman in Hamburg unter anderem als Faust (den er schon in Stuttgart gab) (62) prüfen

unternimmt Lesetourneen (3)

Ab 1948/49 gastiert und filmt er,

15.09.1948

Manfred Hausmann, Rudolf Alexander Schröder und Mathias Wieman werden in den Vorstand der neugegründeten Theodor-Storm-Gesellschaft gewählt.(92)

??.09.1948

Mathias Wieman liest in der Stadt Göttingen Weinheber

Dr. Ff. in der Hannoverschen Presse vom 16.09.1948: 

»Hier ist das Wort, das Wort des Dichters, das uns Mathias Wieman aus dem Werk Josef Weinhebers vermittelte., das Wort eines Dichters unserer Tage, der mit uns  all die seelische Not vergangener Jahre durchlebte und sie im Mai 1945 mit seinem Tode besiegelte.

Die Dichtungen die Wieman aus dem kürzlich in Salzburg erschienenen Nachlass mit Leben füllte, bergen prophetisches in sich, das "als ich noch lebte" ist die Quintessenz seiner dichterischen Schau.

Die anscheinend mehr spielerische Formbeherrschung, wie sie uns in den 15 Sonetten nach Michelangelo "An die Nacht" entgegentritt, greift nun in die Mitte unserer geistigen Existenz, in das Wesen und Sein aller Dinge, die uns bewegen sollten. Wie der Sprecher aus innerer Erfülltheit und geistiger Beherrschung all das in schlichter Größe vor uns hinstellte, das ist ob seiner monumentalen Einfachheit nicht zu beschreiben, man muss es mit ihm empfinden und in sich bewahren als eine seltene, vollkommenen Gabe, die ihren Ruhm in sich selber trägt. Und die Stille und Andacht, mit der ein dichtgefüllter Saal dem Wort des Dichters und einer entrückten, aus letzter Hingabe gestalteten Interpretation lauschten, wird ein wahrer Besitz bleiben für alle. die dieser einzigartigen Stunde bewohnten.«

Hans Geert Falkenberg in den Hannoverschen Neusten Nachrichten vom 18.09.1948: 

»Das niederdrückende Schuldbekenntnis des österreichischen Dichters Josef Weinheber - er starb im Frühling 1945 von eigener Hand - stand einsam und hart im Raum: in düsterer Prophetie sich bereits in manchen Gedichten seit 1946 ankündigen, wird seine dumpfe Qual erst aus dem Nachlass (Salzburg 1947) recht deutlich. So ging man Schritt für Schritt den tragischen Pfad eines früh erkannten und furchtbar gebüßten Irrtums nach und wurde, durch den Dichter zur Einsicht ermahnt, zur christlichen Umkehr gerufen.

Für die erste, Begegnung mit diesem dunklen, Testament ist Mathias Wieman, von ganzem Herzen zu danken. Seine edle, voll vokalige Sprache wurde so erschöpfende, Dienerin des dichterischen Vermächtnisses, das man die feierliche Traurigkeit dieser Abendstunde nicht vergessen wird. Die romantische, Überhöhung durch den großen Schauspieler Wieman hätte man allerdings gerne gemisst; sie ist eine für einen so genialen Sprecher zu gefährliche Macht, als das sie nicht verführen könnte, das "reine Gedicht" verzückt zu glauben, ohne es verstanden zu haben. Doch die Beichte Weinhebers forderte den ethischen Nachvollzug vor der ästhetischen Würdigung.«

06.10.1948

"Die Weihnachtsgeschichte" Aufnahmen in der Johanniskirche zu Hamburg. Die Verwendung fanden auf einer Schallplatte der Deutschen Grammophon. 

12.12.1948

Aufnahmen für "Goethe erzählt sein Leben" (Goethes Leben im Gedicht) die im Goethejahr als regelmäßige Sendung im damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) " ausgestrahlt wurden und starken Anklang fanden.

20.12.1948

Mathias Wieman spricht in ???????? in der ?????? Poesie und Prosa -

Ellen Momm in der Süddeutschen Zeitung vom 21.12.1948: 

»Der Abend zweigeteilt in Poesie und Prosa und zweifach getönt in der Art der Diktion. Verhalten sprach Wieman die Gedichte, mit dem lauteren Phatos und der Gedrängtheit des Gefühls, die ihm schon in der Physiognomie geschrieben sind - ein Kette schlichter, in Treue und Glauben empfundener Verse von Paul Gerhardt, Simon Dach, Rückert und Grashoff bis zum prächtigen, gutmütig frommen "Kasurischen Weihnachtslied" aus der nordischen Heimat. Goethes "Betrachtung beim Anblick von Schillers Schädel" und Schillers "Nänie" wetterleuchteten aus strenger Ferne in diese auch rein vortragsmäßig fest umrissenen Dimensionen.

Wenn sich Wieman dann niedersetzte und, nahezu auswendig, zu erzählen anhub, wandelte sich sein Künstlernaturell gleichsam in die eigene Entsprechung, in ein aufgeschlossenes Sich-Mitteilen, schwerelos und voll jener lockeren Distanz, die güte- und humorgeboren ist. Große und kleine Zuhörer standen im schönen Bann des Staunens und Lauschens. Das dem Schauspieler Wieman die begleitende Geste natürlich war, die leichte und angedeutete, ergab ein reizvoll optisch-akustisches Spiel, so als ob man alles Gehörte auch noch im Guckkasten schaute: den" Froschkönig" in der wunderbar gedrängten, quellfrischen Grimmschen Sprache, Andersens Tannebaum Märchen und als Herzstück des Abends, eine Stelle aus dem "Grünen Heinrich". Diese meisterhaft gelesene Episode, da der Knabe, im Faustschauspiel mitagierend, den ersten Zusammenprall zwischen Sein und Illusion, die ersten zarten Lebensmagien erlebt, tönte noch lange köstlich nach.«

noch recherchieren in welchem Ort der Vortrag erfolgte

27.12.1948

Mathias Wieman bedankt sich von Stuttgart aus in einem Brief für den guten Beitrag zu unserm täglichen Brot - einer Hörfunkarbeit beim NWDR

recherchieren welcher Hörfunkbeitrag es genau war 

 



 

02.01.1949

bis

28.08.1949

Beginn  der wöchentlichen Ausstrahlung der Reihe "Goethe erzählt sein Leben" (Goethes Leben im Gedicht) im damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Die Reihe die im Goethe-Jahr wöchentlich ausgestrahlt wurde fand starken Anklang. (4)(62)(3)     

Es wurden 35 Folgen mit jeweils ca. 45 Minuten Länge aufgezeichnet. 

im Frauenblatt Nr. 4 vom 28.01.1995: 

»Peter von Zahn der damals prominenteste deutsche Radio- und Fernseh-Kulturmoderator hat gesagt: "Wenn Mathias Wieman jede Woche eine Stunde über alle deutschen Radiostationen Goethe lesen würde, könnten die Deutschen bessere Menschen werden

spricht in Hörspielen und Lesungen des Nordwestdeutschen Rundfunks  (3)

08.08.1949

Mathias Wieman "Auftritt" im weisen Haus in Kampen auf Sylt - dort wohnte er ca. 4 Wochen???

 

Wieman spricht zu seinen Zuhörern auch über Werner Krauß und dessen Spruchkammerangelegenheit (Entnazifizierung)

 

Kurt Lothar Tank beschreibt in seinem Werk "Sylter Sommer - ein Tagebuch" diesen Auftritt, sowie die Ausführungen über Werner Krauß und seine Begegnungen mit Wieman

 

Teilabdruck daraus in Deutsches Allgemeines Tageblatt vom 30.07.1972

Buch besorgen und Teile einarbeiten

10.09.1949

Wieman spricht Goethe in Göttingen

G.S. in Göttinger Presse vom 10.09.1949: 

»Eine zahlreiche Hörerschaft dankte gestern Abend Mathias Wieman einen Goethe Abend herzlich und geneigt.

Die Auswahl der Gedichte und Strophen folgte dem Rhythmus des Lebensablaufes vom Straßburger Studenten bis zu den Schöpfungen der letzten Jahre und gruppierte diese um wesentliche Stationen der dichterischen und menschlichen Entfaltung Goethes. Altvertrautes verband sich mit weniger geläufigen Gedichten und Fragmenten zu einem in sich gerundeten Ganzen von starker Aussage.

Dem redigierenden Grundgedanken, das Goethes Leben von ragenden Höhen zu bestürzenden Tiefen abbricht, um sich immer wieder zu neuem Bestehen zu erheben, folgte auch die sprachliche Deutung von verhaltenem Ton zu verzweifeltem Ausruf, verklingend in den sonoren Formaten gläubiger Selbstgewissheit. Diesem Bemühen galt auch die gestisch-mimische Untermalung, die am glücklichsten in Amors Landschaftsbild eingesetzt war, immer aber bestimmt schien von Goethes eigenem Wort: "um zu schaffen das Geschaffene, damit sich´s nicht zum starren waffne".«

G.S. in Göttinger Presse vom 10.09.1949: 

»Aus Anlass seines gestrigen Vortragsabends besuchte unser Feuilleton Mitarbeiter der als Gast im Nansenhaus weilenden Künstler.

Wenn Mathias Wieman ins Zimmer tritt, ist der Besucher sofort und unvermittelt von dem strahlenden Licht dieser hellen, gütigen Augen angesprochen.

Wie sie von innen her aufleuchten, wie sie sich sinnend verschließen, sind sie der lebendige Spiegel einer aus reifer Fülle lebenden und wirkenden Persönlichkeit. Und aus diesem ersten bezwingenden Eindruck wird einem schmerzlich bewusst, wie lange wir schon Mathias Wieman nicht mehr auf der Leinwand sahen, ihn, dessen Stimme den Hörern der Goethe Sendungen des NWDR seit einem Jahr vertraut ist.

Mit großer geistiger Konsequenz hat der Künstler sich in diesen Wortdienst gestellt, der wie er gesteht, ihn selber in der gestaltenden Beschäftigung mit Goethe reich zum Geben gemacht hat. Anderen zu geben, ihnen Sinn gebend und ermutigend zur Seite zu stehen, ist auf eine schlichte Formel gebracht, die Aufgabe, die er in der Arbeit für Funk und Reise vor sich sieht.

Es ist die folgerichtige Fortsetzung dessen, was Mathias Wieman nach dem Zusammenbruch freiwillig auf sich nahm, als er, ohne Soldat zu sein, mit in Gefangenschaft ging um in einem großen englischen Lager, in Holstein durch eigene Rezitationsabende und unermüdliche Förderung der kulturellen Lagerarbeit Unzähligen den lähmenden Nullpunkt überwinden zu helfen.

In Gestalt des Ein-Mann-Gastspiels ist Mathias Wieman für die nächsten Wochen in Westdeutschland unterwegs. Nach jahrelanger Wartezeit hat er jetzt endlich wieder eine eigene Wohnung in Stuttgart, die er freilich nur selten sieht. Ob der Film, der im Augenblick in unverkennbarer Entmutigung seine Kreise schwerlich erweitern wird, ihm in naher Zukunft eine Rolle zu bieten hat, lässt sich heute noch nicht sagen, wohl aber hoffen, wie es im Abschiedsgruß zuversichtlich ausklingt.«

02.10.1949

Sonntag

Mathias Wieman spricht in Osnabrück in der Blumenhalle "Goethes Leben im Gedicht" -

Wieman trug unter anderem das "Heideröslein", "König in Thule", "Amor als Landschaftsmaler", "Römischen Elegien", und Texte aus der Karlsbader Zeit und dem späten Faust vor.

Dr. Be. in Neue Osnabrücker Zeitung: 

»Das alles musste Mathias Wieman lebendig machen: es ist ihm gelungen! Und es ist schwer zu sagen, was mehr zu bewundern war: die ausdauernde Spannweite seines Könnens, die Sorgfalt, mit der das Kunstwerk von seiner Gesamtstimmung her erfasst wurde, der Vorbedacht, mit dem einzelnes betont war, oder die treue zu jedem Wort, wie es Goethe wirklich geschrieben hat.

Wir alle haben einmal Goethes Gedichte gelesen. Keine noch so liebevolle Bemühung in der Schule hat ihnen zu geben vermocht, was erst allein das Erlebnis geben kann. Wir alle haben Goethes Gedichte erlebt, soviel oder sowenig uns jeweils im einzelnen das Leben selbst zu diesem Erlebnis geführt hat. Im gesprochenen Wort wurde aus dem einst Gelesenen und dem später Erlebten die aufs neue erlebte Einheit. Und dieses Gefühl der Einheit, genauer der Vereinigung von Gelesenem und erlebten war es, von dem an diesem Sonntagnachmittag die stärksten Empfindungen ausgingen. Dafür wurde Mathias Wieman mit herzlichem Beifall und Blumen bedankt, erwiderte mit Zugaben, und wurde abermals bedankt.«

21.12.1949

Uraufführung des Films "Wie sagen wir es unseren Kindern" der unter der Regie von Hans Deppe entstand - Er wurde bereits 1944/45 gedreht - in Lübars (Filmtheater Lübars) 

Er ging seither immer wieder mit selbst zusammengestellten Programmfolgen auf Tournee (4)

1949/1950

siedelt er von Stuttgart  nach Hamburg um - Er wohnt zusammen mit seiner Frau im 12. Stock eines der Grindel Hochhäuser in Hamburg 13 () - Hochhausring 8 XII (19) wann genau ???

im Hamburger Abendblatt vom 05.12.1969 berichtet Eberhard von Wiese über einem Besuch bei Mathias Wieman: 

»Besuchte man Wieman, dauerte es eine Weile, bis man ihn aus seiner grüblerischen Reserve hervorlockte. Aber dann war der Kontakt sofort geschlossen zu einem Menschen, der so viel Sinn hatte für Humor und Selbstironie. Von Bücherwänden fast eingeschlossen, aber den Blick frei über die Dächer Hamburgs.«

 
xx.xx.xxxx

Nun ist Mathias Wieman auch oft im Rundfunk zu hören, erzählt da sonntags mittags "Die Geschichten der Bibel", rezitiert Hölderlin, Saint-Exupery, und von Peter Lothar zusammengestellte "Aufzeichnungen der Männer des 20. Juli". Auch hier ist es nicht "gewichtige Schwerelosigkeit", sondern das weihevolle Fünfziger-Jahre-Pathos, das verinnerlichte Sprechen, das Wiemans Popularität fördert. (62)

 

xx.xx.1950

 

als .......  in Hölderlins "Tod des Empedokles"  im ...... Theater Berlin unter der Regie von ..............

xx.xx.1950

 

 

als .......  in ....... "Faust"  im ...... Theater Berlin unter der Regie von ..............

26.01.1950

Im Spiegel No. 4 vom 26.01.1950 ist zu lesen:

»Schon für 1950 aber plant Käutner die Verfilmung von "Des Teufels General" als Mischung von Kriminalreißer und tiefgründiger Deutschlandanalyse. Mit Gustav Knuth als Harras, Mathias Wieman als Oderbruch und Carl Raddatz als Schmidt-Lausitz.«

Bei der Umsetzung des Projektes standen dann aber weder Mathias Wieman noch die anderen auf der Besetzungsliste. 

Den General Harras spielte Curd Jürgens, den Oderbruch Karl John und den Schmidt Lausitz Victor de Kowa.

Juni 1950

Junge Film Union, mit Geschäftssitz in Hamburg und Studio und Außenstelle in Bendestorf (einem Heidedorf) baute eine neue Halle. Richtfest wurde im illustren Kreis gefeiert. Neben Grethe Weiser, Hannelore Schroth, Anny Ondra und Ehemann Max Schmeling, war auch Max Wieman erschienen. (17)

10.06.1950

Kuby in Freie Presse vom 10.06.1950 - Karikiert Mathias Wieman: 

»...... Man vergisst nichts - was seine Schauspielkunst zum Erlebnis werden lässt. Nicht sein tiefes modestiertes Leuchten der Augen unter buschigen Braunen. Diesen in unbestimmte Fernen gerichteten klaren Blick. Das kantige wie aus Holz geschnitzte Gesicht. Die subtile Geste der ausgeprägten Hände.... Sein Tonfall ist in seiner Eindringlichkeit von einer fast altväterlichen Feierlichkeit. Wenn er Goethe - wenn er Hölderlin rezitiert - spricht er mehr an die Bereitschaft des Herzen - als an die des Intellekts. Er zwingt zur frommen Demut. Und verwundert lächelnd scheint er dm eigenen verklingenden Wort - wie etwas Fremden - nachzulauschen.

Welches Aufgehen - welches sich verlieren - welches Verströmen! Die ganze Warmherzigkeit - aber auch unbewusste Reserve einer stillen Natur, die aus diesem Reservoir schöpft und die Kräfte fast ausschließlich in den Dienst zur Kunst stellt.

In der Kunst lebt Wieman - hinter ihr steht der Mensch völlig zurück. Bis zur Verlegenheit - bescheiden. als Mann der Stille und in seiner engen Beziehung zum Ewigen.«

26.08.1950

Mathias Wieman und Horst Caspar lesen beim WDR Goethe-Texte - Mathias Wieman liest "Grenzen der Menschheit" (Wenn der uralte .... ) - 1'15" -

31.08.1950

Uraufführung des Films "Melodie des Herzens" (auch: Wenn eine Frau liebt) in Düsseldorf, der unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner entstand. Ein Remake von 1937). 

05.09.1950

Mathias Wieman liest beim WDR Texte von Eduard Mörike - 

"Nachts am Schreibpult" - "Inschrift auf einer Uhr mit den 3 Horen" - Auf eine Lampe" - "Um Mitternacht (Gelassen stieg die Nacht ..)" - "Peregrina-Zyklus" - Dauer 9'20 - Ausstrahlung am 25.11.1950 über den WDR

06.10.1950

Uraufführung des Films "Melodie des Schicksals" der unter der Regie von Hans Schweikart entstand

"Der Spiegel" Nr. 41 vom 11.10.1950

In doppelter Luxusausfertigung

beschloss die Junge Film-Union Rolf Meyer die "Woche des deutschen Films" mit ihrer noch kopierfrischen "Melodie des Schicksals". In Hamburgs "Urania" gab es eine Exklusiv-Spät-Festvorstellung, in Hannovers "Weltspielen" tags darauf die offizielle Uraufführung. "Melodie des Schicksals" ist ein Film in besseren musikalischen Kreisen mit: der von den Autoren überlaufenen Frau (Brigitte Horney) zwischen zwei Männern (Victor de Kowa, Mathias Wieman); einem nicht tödlichen Revolverschuss; vielem "Ich liebe dich"; etwas Riviera und Atelier-Colombo; Gefängnis, Leid, Alkohol; einem die ganze Zeit drohenden Klavierkonzert, das zum Bäumchen-Bäumchen-wechsle-dich-Ende über die Zuschauer hereinbricht. In beiden Städten wurden die Hauptdarsteller des Films von Scheinwerfern angestrahlt.

 

17.10.1950

als Prospero in Williams Shakespeares "Der Sturm" am Schlosspark-Theater Berlin unter der Regie von Lothar Müthel

Die Welt" vom 25.06.1952 rückblickend:

»Durch einen Zufall wird Mathias Wieman dem Theater zurückgewonnen: ein Berliner Schauspieler war erkrankt und so übertrug man ihm die Rolle des Prospero...... - Seitdem ist man wieder auf ihn aufmerksam geworden.«

Tagesspiegel vom 5.12.1969 rückblickend: 

»Die Kritik sah in Wieman, nicht nur von der Rolle her, die einzige Lichtgestalt des im übrigen nicht sehr illuminierten Shakespeareschen Märchenspiels.«

12.11.1950

In der HÖR ZU Ausgabe Nr. 46 (12. - 18.11.1950) werden die Leser aufgefordert die Besetzung für den Film "Ein Herz spielt falsch" - nach einem in der HÖR ZU abgedruckten Fortsetzungsroman - auszuwählen. 

Mathias Wieman ist einer der vorgestellten Kandidaten für die Rolle des Dr. Linz. 

Besetzt wird die Rolle dann aber 1953 mit Carl Werry. In weiteren Rollen O.W. Fischer, Ruth Leuwerik und Gertrud Kückelmann.

17.11.1950

am Berliner Schlosspark-Theater in der männlichen Hauptrolle als Thomas, der landstreichende Soldat, in der deutsche Erstaufführung des Stückes "Die Dame ist nicht fürs Feuer" von Christopher Fry unter der Regie von Boleslaw Barlog

In weiteren Rollen: Gundel Thormann, Aribert Waescher (Richter), Trude Hesterberg (Brautmutter), Walter Bluhm (Kaplan), Franz Stein, Hanna Rucker.

Die Geschichte der Verskomödie: 

Ein des Kämpfens müder Soldat wünscht von dem Bürgermeister eines Marktfleckens gehängt zu werden, und eine der Hexerei angeklagte junge Frau wünscht am Leben zu bleiben. Beide geraten in eine Welt selbstgerechter und letztlich doch nur hilfloser Bürokratie, die die Paradoxie der beiderseitigen Wünsche gegenüberstellt und jeden für sich damit peinsam und grotesk wirken lässt, so das jeder dieser ins wanken gerät. 

Wie in einem Märchen bringt der Autor am Ende den bitterbösen, todesssehnsüchtigen Skeptiker mit der melancholisch flirrenden, lebenssüchtigen Dame zusammen.

Friedrich Luft schreibt dazu:

»Die männliche Hauptrolle des todessüchtigen und dann zum Leben beredeten Landstreichers war mit Mathias Wieman irrtümlich besetzt. Das hätte einen missmutigen Humor haben müssen, überlegen sein, eleganter in der Diktion, tupfend in der misanthropischen Heiterkeit. Das kann Wieman nicht. Er ist zu schwerblütig. Er beißt die Worte im Munde, er versendet sie nicht in gewichtiger Schwerelosigkeit, wie hier zu tun wäre. Er hatte so viel Übergewicht, das offenbar dadurch ein großer Teil des Publikums die Komödie nicht als Komödie erkannte.«

Walter Busses in der Welt am Sonntag vom 19.11.1950:

»Frys Komödie spielt "1400 mehr oder weniger, oder auch ganz genau" in der Amtsstube eines Bürgermeisters, deren Ruhe durch ungewöhnliche Gäste gestört wird. Da kommt ein Mann herein (Mathias Wieman), der soviel von der Welt beobachtet hat, das er nur noch einen Wunsch hegt, gehenkt zu werden. ...  Mit solcher Intensität ist lange nicht auf unseren Bühnen gespielt worden. Die Berliner Premiere hatte beträchtlichen Erfolg.«

Walter Busses in der Welt vom 20.11.1950:

»Die wütenden, abergläubischen Leute unten heulen vor den Gittern und trommeln an dem Tor. Sie wollen ihre Hexenverbrennung haben. Die zierliche, reiche Frau mit den langen, brennend roten Haaren, die sich in das Haus des Bürgermeisters geflüchtet hat, soll den uralten Knochensammler in eine Hund verwandelt haben - als ob den nicht die Verachtung des Dorfes schon längst dazu gemacht hätte. Da hilft nicht, das ein betrunkener Soldat, angeekelt von zu heftiger Welterkenntnis, die Tat auf sich nimmt und lärmend verlangt, sofort gehenkt zu werden. .... Thomas, der Soldat "mit einer liebenswürdigen Neigung, ein Held zu sein" ....«

»Zu diesem Weg hat sie allerdings inzwischen eine Gefährten gefunden, jenen Soldaten, den Mathias Wieman etwas zu deklamatorisch reden lässt und viel zu wenig so, das man die Kaskaden an treffenden Metaphern seiner eigenen Fantasie zutrauen möchte.« ... »mit vorzüglichen Schauspielern vorzüglich inszeniert.«

K.W. in der Zeit vom 30.11.1950:

»Mathias Wieman war in Barlogs Inszenierung zu schwer, zu vollgewichtig ....«

Der Kritiker Walther Karsch zu der am 17.11.1950 besuchten Vorstellung:

»Für Mathias Wieman, den entlassenen Soldaten Mendip, lag die Versuchung gewiss nahe, den Nihilismus ins melancholisch-spintisierende abgleiten zu lassen - er hielt ihn aber, immer agil, immer auf dem Sprung nach der Möglichkeit, dem Leben zu entkommen, in einer Hellwachheit, die die Heilung durch die Liebe nicht als Bruch, sondern als die natürlichste Lösung erscheinen ließ.«

K.W. in DIE ZEIT - Nr. 48 vom 30.11.1950:

»........ Mathias Wieman war in Barlogs Inszenierung zu schwer, zu vollgewichtig....«

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Stand: 14. November 2010